Tempelberg-Konflikt Netanyahu will Al-Jazeera-Büro schließen

Israels Ministerpräsident Netanyahu hat damit gedroht, das Jerusalem-Büro von Al Jazeera schließen zu lassen - notfalls per Gesetzesänderung. Der katarische Sender habe zur Gewalt auf dem Tempelberg angestachelt.

Ein Mitarbeiter vor dem Logo von Al Jazeera
AP

Ein Mitarbeiter vor dem Logo von Al Jazeera


Während die muslimische Führung am Donnerstag zur Rückkehr auf den Tempelberg aufgerufen hat, hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu am Vorabend den Ton erneut verschärft. Netanyahu drohte damit, das Büro des Senders Al Jazeera in Jerusalem zu schließen. Al Jazeera habe mit seiner Berichterstattung "zu der Gewalt rund um den Tempelberg angestachelt", schrieb Netanyahu am Mittwoch auf seiner Facebook-Seite.

Er habe wiederholt mit den Strafverfolgungsbehörden über eine Schließung gesprochen, ergänzte Netanyahu. Sollte sie gesetzlich nicht durchsetzbar sein, werde er für eine Änderung der Gesetze sorgen, schrieb er weiter. Der in Katar ansässige Sender war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern war zuletzt wieder eskaliert. Nach einem tödlichen Anschlag auf Polizisten in unmittelbarer Nähe des Tempelbergs installierte Israel dort Metalldetektoren, um den Schmuggel von Waffen zu verhindern. Danach kam es zu Zusammenstößen und Angriffen mit Toten und Verletzten auf beiden Seiten. Al Jazeera hatte wie andere Medien auch über die Zusammenstöße berichtet.

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Die Tempelberg-Krise: Kontrollen und Kameras

Die von den Palästinensern heftig kritisierten Detektoren hat Israel nach eigenen Angaben inzwischen wieder vollständig entfernt. In der Nacht wurden auch Absperrgitter und Gerüste mit Überwachungskameras abgebaut, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Muslimische Geistliche riefen Gläubige am Donnerstag dazu auf, in die Al-Aksa-Moschee auf den Tempelberg zurückzukehren.

slü/rtr/dpa



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