Vergeltungsangriffe Israel beschießt Ziele in Gaza - vier tote Zivilisten

Die israelische Armee hat mit Luftangriffen auf den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen reagiert. Bei den Vergeltungsschlägen wurden vier Menschen getötet. Auch das Büro der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu wurde getroffen.

Explosion in Gaza-Stadt
Mahmud Hams / AFP

Explosion in Gaza-Stadt


Bei neuen Ausbrüchen der Gewalt zwischen Israel und dem palästinensischen Gazastreifen sind mindestens vier Menschen getötet und acht weitere verletzt worden. Die israelische Luftwaffe griff nach Armeeangaben am Samstag 120 Ziele in dem Küstenstreifen am Mittelmeer an.

Zuvor hatten militante Palästinenser erneut begonnen, Raketen auf Israel abzuschießen. Nach Angaben der Zeitung "Times of Israel" wurden bis zum Abend etwa 250 Raketen und Granaten auf israelische Städte in der Grenzregion abgefeuert.

Im Gazastreifen starb laut der Nachrichtenagentur dpa, die sich auf Angaben des örtlichen Gesundheitsministeriums bezieht, eine Schwangere und ihr 14 Monate altes Kind, als die israelische Luftwaffe einen Militärposten in der Nähe ihres Hauses bombardierte. Zudem sei ein 22-jähriger Zivilist bei einem Luftschlag der Israelis im Norden des Gebiets getötet worden. Dort wurde auch ein junger Mann von Granatsplittern tödlich getroffen. Sechs weitere Menschen, drei Zivilisten und drei Kämpfer seien verletzt worden.

Büro der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu zerstört

Bei einem der Luftangriffe wurde nach Augenzeugenberichten auch ein sechsstöckiges Gebäude im Westen von Gaza-Stadt zerstört. In dem Gebäude habe sich unter anderem das Büro der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu befunden. Über Opfer bei diesem Angriff wurde zunächst nichts bekannt.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte den Angriff auf das Anadolu-Büro in Gaza "aufs Schärfste". Auf Twitter schrieb er auf Englisch und Türkisch: "Trotz aller Angriffe wird die Türkei und die Anadolu-Agentur der Welt weiter über den Terrorismus Israels und die Gräueltaten in Gaza und anderen Teilen Palästinas berichten."

In Israel wurden mehrere Häuser in Ortschaften in der Nähe des Gazastreifens von Raketen getroffen. Dabei erlitt laut israelischen Medien am Samstag eine Frau in Kiryat Gat gefährliche Gesichtsverletzungen durch Splitter. Ein Mann sei in Aschkelon verletzt worden. Zehntausende Menschen mussten in Schutzräume flüchten, in den betroffenen Regionen heulten immer wieder die Sirenen.

Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu nahm an einer Krisensitzung im Verteidigungsministerium in Tel Aviv teil, wie israelische Medien berichteten. Israels Raketenabwehrsystem habe Dutzende Geschosse abgefangen, teilte das israelische Militär mit.

Auswärtiges Amt verurteilt massiven Raketenbeschuss Israels

Die Raketenangriffe hielten auch am Abend an, Israel flog weiter Luftangriffe. Die Armee griff eine Reihe von Militärposten der in Gaza regierenden radikalislamischen Hamas und des "Islamischen Dschihad" an. Zwei Raketenwerfer im Norden Gazas seien angegriffen und getroffen worden, hieß es. Israel schloss die beiden Grenzübergänge für Menschen und für Waren zum Gazastreifen und verbot auch den Fischern, auszulaufen.

Das Auswärtige Amt verurteilte den massiven Raketenbeschuss Israels. Das Land habe das Recht, sich zu verteidigen und seine Bürger zu schützen, hieß es in einer Erklärung auf Twitter. Zugleich forderte das Ministerium beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Bemühungen Ägyptens und der Vereinten Nationen um eine Beruhigung der Lage hätten die volle Unterstützung Deutschlands.

Militante Palästinenserorganisationen rechtfertigten die Raketenangriffe mit dem Tod von Palästinensern bei Protesten der vergangenen Tage. Der "Islamische Dschihad" machte deutlich, dass die Angriffe auch darauf abzielten, die Organisation des in knapp zwei Wochen geplanten Gesangswettbewerbs Eurovision Song Contest in Tel Aviv zu stören. Ein Hamas-Sprecher sagte, die Vereinbarungen für eine Waffenruhe seien "kein Hindernis" für Antworten auf Aggression: "Das Blut unseres Volkes ist eine rote Linie."

Die Spannungen zwischen Israel und den Palästinenserorganisationen im Gazastreifen waren nach einer Zeit relativer Ruhe zuletzt erneut eskaliert. Bei Protesten an der Grenze zu Israel und bei israelischen Luftangriffen waren am Freitag vier Palästinenser getötet worden. Rund 50 Palästinenser wurden verletzt. Nach Angaben der israelischen Streitkräfte wurden zudem zwei israelische Soldaten an der Grenze durch Schüsse verletzt.

kry/dpa



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