Israel-Besuch Bundespräsident Köhler spricht vor der Knesset

Mit Bundespräsident Köhler wird heute zum zweiten Mal ein deutsches Staatsoberhaupt im israelischen Parlament sprechen. Die Rede vor der Knesset war im Vorfeld von Protesten israelischer Abgeordneter begleitet, die sich gegen eine Ansprache in der "Sprache der Täter" wendeten.


Köhler in der Gedenkstätte Jad Vaschem: Erinnerung an den Holocaust wachhalten
REUTERS

Köhler in der Gedenkstätte Jad Vaschem: Erinnerung an den Holocaust wachhalten

Jerusalem - Ungeachtet der Proteste will Köhler seine Rede in Deutsch halten. Zuvor will er sich mit dem Chef der Arbeitspartei und stellvertretenden Ministerpräsidenten, Schimon Peres, treffen. Vor der Knesset will der Bundespräsident nicht nur die moralische Verantwortung Deutschlands für Israel und für die jüdischen Bürger in Deutschland betonen, sondern auch Probleme mit Antisemitismus und Rechtsextremismus in der Bundesrepublik ansprechen, wurde im Vorfeld betont.

Köhler war gestern zu einem viertägigen Staatsbesuch in Israel eingetroffen. Als erster Bundespräsident hatte Johannes Rau im Februar 2000 eine Rede vor der Knesset gehalten. Köhler besucht vor seinem Auftritt in der Knesset einen Ort an der Grenze zu den palästinensischen Gebieten, der in der Vergangenheit besonders oft Ziel von Raketenangriffen war.

Gestern hatten der Bundespräsident und seine Frau die Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem mehrere Stunden besucht. In einer ergreifenden Zeremonie legten er und der israelische Staatspräsident Mosche Katzav in der "Halle der Erinnerung" Kränze nieder. Köhler ließ sich ausführlich über die Arbeit berichten, um bei nachkommenden Generationen die Erinnerung an den Holocaust wach zu halten.

Köhler legte auch einen Kranz am Grab des ermordeten früheren Ministerpräsidenten Izchak Rabin nieder und traf mit Regierungschef Ariel Scharon zusammen. Bei einem Bankett am Abend hatte Katzav erneut die Sorge seines Landes wegen der antisemitischen Ausfälle durch NPD-Anhänger in Deutschland geäußert. Zugleich bekräftigte er, dass die Demokratie in Deutschland nach seiner Auffassung so gefestigt ist, dass sie in der Lage sei, mit diesen antisemitischen Ausfällen fertig zu werden.

Zum Auftakt seines Staatsbesuchs hatte Köhler an alle Länder appelliert, die Möglichkeit zu einer Friedenslösung im Nahen Osten zu nutzen. Katzav sagte im Gespräch mit dem Bundespräsidenten, es gebe eine "goldene Gelegenheit zum Frieden", nachdem Israelis und Palästinenser eine Waffenruhe und neue politische Gespräche vorbereitet haben. "Die ganze Welt sollte dazu beitragen und den Frieden möglich machen", sagte Köhler.

Anlass der Reise Köhlers ist die Erinnerung an die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel vor 40 Jahren. Katzav wird im Mai zu einem Gegegenbesuch in Deutschland erwartet.



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