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Eskalation in Nahost Mehrere Tote bei israelischen Luftangriffen

Die Gewalt in Nahost eskaliert: Israel hat erneut den Gazastreifen bombardiert, nach palästinensischen Angaben kamen neun Menschen ums Leben. Die Angst vor einem neuen Krieg wächst.

Jerusalem - Bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen sind nach palästinensischen Angaben neun Menschen getötet worden. Die Nachrichtenagentur Maan berichtete am Montag, sieben von ihnen seien Mitglieder des bewaffneten Flügels der radikalislamischen Hamas gewesen. Bei den Angriffen am Sonntagabend auf das Küstengebiet seien auch sechs Zivilisten verletzt worden. Die Luftschläge sind eine Reaktion Israels auf Dutzende Raketen, die militante Palästinenser seit Tagen auf israelische Ortschaften abfeuern.

Angesichts der Gewalt wächst die Sorge, dass es zu einem neuen Palästinenseraufstand oder gar zu einem weiteren Gaza-Krieg kommen könnte. Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri nannte die israelischen Luftangriffe eine "schwerwiegende Eskalation". Er drohte: "Der Feind wird den Preis zahlen." Die Hamas hat bereits gedroht, man werde neue Ziele in Israel angreifen. Bei dem letzten großen Schlagabtausch im November 2012 hatte Hamas auch Tel Aviv und Jerusalem angegriffen.

Auslöser für die neuen Spannungen waren die Entführung und Ermordung von drei jüdischen Teenagern sowie der mutmaßliche Rachemord an dem palästinensischen Jugendlichen Mohammed Abu Chair. Im Zusammenhang mit letzterem Fall wurden am Sonntagmorgen sechs Verdächtige festgenommen, wie der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Bet erklärte. Sicherheitsminister Jizchak Aharonovitsch beschrieb die Verdächtigen als "junge Leute".

Nähere Angaben machten die Behörden wegen einer strikten Nachrichtensperre nicht. Eine Juristenorganisation zur Verteidigung rechtsgerichteter jüdischer Extremisten erklärte jedoch, sie habe die Vertretung übernommen. Ein Gericht habe eine mehrtägige Untersuchungshaft angeordnet.

Netanjahu verurteilt "schockierendes Verbrechen"

Mohammed Abu Chair war am Mittwoch im Morgengrauen auf dem Weg zur Moschee verschleppt worden. Kurz darauf wurde seine Leiche am westlichen Stadtrand von Jerusalem im Wald gefunden. Nach Angaben von Medizinern war der 16-jährige offenbar bei lebendigem Leib verbrannt.

Bereits unmittelbar nach der Tat war der Verdacht aufgekommen, dass es sich um einen Racheakt extremistischer Juden für die Verschleppung und Ermordung der drei israelischen Jugendlichen im Westjordanland handelte. Die Ermordung von Abu Chair löste gewaltsame Proteste von Palästinensern zunächst in Ost-Jerusalem aus, die sich am Wochenende auf den Norden Israels ausweiteten.

Der Vater des Opfers sagte am Sonntag, er hoffe auf eine harte Bestrafung der Schuldigen. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu versprach in einer Botschaft an die Familie von Abu Chair, die Täter des "schockierenden Verbrechens" würden zur Verantwortung gezogen. Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat sprach dem Vater in einem Telefongespräch sein Beileid für die "barbarische Tötung" aus.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas erklärte, er habe Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon zur Bildung einer internationalen Kommission für die Untersuchung israelischer Verbrechen gegen Palästinenser aufgefordert, darunter der Mord an dem 16-Jährigen.

ler/dpa/Reuters/AFP
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