Israel Bomben auf Ziele im Gaza-Streifen

Mehrere Stunden lang hat die israelische Armee Ziele im Gaza-Streifen aus der Luft und vom Boden aus bombardiert. Die Angriffe galten Einrichtungen der Leibgarde von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat. Unterdessen hat Uno-Generalsekretär Annan den israelischen Angriff auf eine syrische Radarstation in Libanon ungewöhnlich scharf kritisiert.


Gaza-Streifen: Israelischer Soldat in Stellung
AFP

Gaza-Streifen: Israelischer Soldat in Stellung

New York/Gaza/Jerusalem - Die Bombardierung sei eine "klare Verletzung" von Resolutionen des Weltsicherheitsrates, erklärte Kofi Annan am Montagabend (Ortszeit) in New York. Der israelische Angriff auf die syrische Stellung hatte zuvor bereits weltweit die Sorge über eine Ausweitung des Konflikts wachsen lassen. Auch die USA äußerten sich "sehr besorgt", gaben aber zugleich der Hisbollah-Miliz die Schuld. Die Bundesregierung in Berlin appellierte an alle Beteiligten, von weiteren militärischen Aktionen abzusehen.

Der Uno-Generalsekretär habe telefonisch mit Regierungen der Nahost-Region die Eskalation des Konfliktes erörtert, erklärte Annans Sprecher Fred Eckhard. Annan werde diese Kontakte in der Nacht sowie am Dienstag von New York aus fortsetzen. Er plädiere für die möglichst rasche Wiederaufnahme politischer Verhandlungen, um eine gefährliche Ausweitung des Konflikts zu verhindern.

Als Vergeltung eines Angriffs der radikal-islamischen Hisbollah- Miliz auf einen israelischen Panzer hatten israelische Kampfflugzeuge in der Nacht zum Montag eine syrische Radarstellung im Libanon zerstört. Drei syrische Soldaten wurden dabei getötet, sechs weitere verletzt.

Verletzte nach nächtlichen Bombardement

Am Montagabend und in der Nacht zum Dienstag gingen unterdessen die israelischen Angriffe auf palästinensische Einrichtungen im Gazastreifen weiter. Nach palästinensischen Angaben wurden insgesamt 16 Gebäude in Gaza-Stadt und Dir el-Balah im Süden des Gazastreifens von Kampfhubschraubern mit Raketen beschossen. Mindestens 20 Palästinenser sollen verletzt worden sein. Angriffsziele seien Polizeigebäude und Einrichtungen der "Force 17", der Leibgarde von Palästinenserpräsident Jassir Arafat, gewesen, hieß es.

Arafats Stabschef Tajeb Abdel Rahim warf Israel vor, den Konflikt weiter zu eskalieren, "ohne dabei zwischen militärischen und zivilen Angriffszielen zu unterschieden".

Mit den nächtlichen Angriffen im Gazastreifen übte die israelische Armee Vergeltung für den Beschuss der Stadt Sederot am Montagabend. Palästinenser hatten bei Anbruch der Dämmerung mehrere Granaten auf die Stadt abgefeuert. Ein Israeli erlitt einen Schock. Ansonsten hätten die sechs Geschosse aber keine bedeutenden Schäden angerichtet, meldete der israelische Rundfunk.



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