Israel Bombenanschlag erschüttert Zentrum Jerusalems

Jahrelang herrschte Ruhe in Jerusalem, doch nun erschüttert wieder ein schwerer Anschlag die Stadt: Eine Bombe explodierte am Busbahnhof in der Innenstadt, Dutzende Menschen wurden verletzt, eine Frau starb später im Krankenhaus. Die Sicherheitskräfte sind in Alarmbereitschaft.


Jerusalem - Im Zentrum von Jerusalem hat es eine schwere Explosion gegeben. Mindestens 31 Menschen wurden bei dem Anschlag verletzt. Ein israelischer Radiosender meldete später, eine Frau sei im Krankenhaus an ihren Verletzungen gestorben.

Nach ersten Erkenntnissen explodierte der Sprengsatz neben einem Bus am zentralen Busbahnhof. Nach Angaben der Behörden war die Bombe in einer Tasche versteckt und auf dem Boden deponiert.

Die Opfer wurden in ein Krankenhaus eingeliefert. Hunderte von Schaulustigen drängen sich in der Umgebung des Anschlags. Israels Premier Benjamin Netanjahu verschob einen Staatsbesuch in Russland, zu dem er eigentlich noch am Mittwoch hatte aufbrechen wollen.

Die Wucht der Detonation ließ nach Angaben von "Haaretz" die Scheiben in zwei vollbesetzten Bussen der Linien 14 und 74 bersten. Der Knall sei in der ganzen Innenstadt zu hören gewesen.

In den neunziger Jahren kam es öfter zu Attentaten in Jerusalem, der letzte Selbstmordanschlag ereignete sich 2004. Vier Jahre später kam es zu zwei Attacken mit Bulldozern in der Stadt. Im Juli 2008 rammte ein Mann mit einem Baufahrzeug einen Bus, Fußgänger und mehrere Autos. Ein Soldat in Zivil stoppte den Attentäter mit einem gezielten Schuss. Bei einem zweiten Zwischenfall drei Wochen später wurden 24 Menschen verletzt, als ein Attentäter, ebenfalls mit einem Baufahrzeug, auf fünf Autos zuraste. Zwei Passanten griffen ein und erschossen den Mann.

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Explosion in Israel: Dutzende Opfer in Jerusalem
Der Hintergrund des neuen Anschlags ist noch unklar. Alle Eingänge zur Altstadt wurden abgesperrt. Die Sicherheitskräfte sind in Alarmbereitschaft, Einheiten durchkämmen die Gegend nach möglichen weiteren Sprengsätzen. Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat sagte, man werde es Terroristen nicht erlauben, den Alltag in der Stadt zu zerstören.

Die Behörden gehen davon aus, dass palästinensische Radikale hinter der Tat stecken. Bekannt hat sich aber noch niemand. Salam Fayyad, Premierminister der palästinensischen Autonomiegebiete, verurteilte den Anschlag in einer Stellungnahme "aufs Schärfste".

Heftige Spannungen zwischen Israel und Hamas

In den vergangenen Tagen sind die Spannungen zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas eskaliert. Militante Palästinenser feuerten am Mittwoch zwei Raketen sowie sieben Mörsergranaten auf Israel ab. Auch die israelische Luftwaffe griff wieder Ziele im Gaza-Streifen an.

Am Dienstag waren im Gaza-Streifen bei israelischen Angriffen acht Palästinenser getötet worden, darunter vier unbeteiligte Zivilisten. Drei der Toten waren Jugendliche, ein vierter Jugendlicher schwebt weiterhin in Lebensgefahr. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bedauerte, dass "unschuldige Zivilisten bei einem Angriff der Armee ohne Absicht getroffen wurden".

In der rund 40 Kilometer von der Grenze entfernten israelischen Stadt Beerscheva wurde am Mittwoch ein Mensch bei der Explosion einer Rakete vom Typ Grad leicht verletzt. Es war die vierte Grad-Rakete in dieser Woche, die Israel traf. Eine weitere Rakete schlug nach israelischen Armeeangaben nur rund fünf Kilometer vom Zentrum der Hafenstadt Aschdod ein.

Seit Samstag haben militante Palästinenser nach israelischen Militärangaben 70 Mörsergranaten auf das Grenzgebiet abgefeuert. Wegen des Raketenbeschusses fiel in der 200.000 Einwohner zählenden Stadt Beerscheva der Unterricht in Schulen aus. Die israelischen Behörden riefen die mehr als 10.000 Einwohner im unmittelbaren Grenzgebiet auf, sich in der Nähe von Schutzräumen aufzuhalten.

Bei den neuen Angriffen der israelischen Armee im Gaza-Streifen wurde nach palästinensischen Angaben ein Mitglied der militanten Gruppe "Islamischer Dschihad" verletzt.

Im Ringen um eine Lösung des Nahostkonflikts will sich das Nahostquartett nach Angaben von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas am 15. April zu seiner nächsten Sitzung treffen. Unklar war zunächst, wo die Vertreter der USA, Russlands, der Vereinten Nationen und der Europäischen Union zusammenkommen werden. "Zu dieser Sitzung werden wir von Israel erneut einen kompletten Baustopp fordern", sagte Abbas am Mittwoch während eines Besuchs in Moskau. An diesem Donnerstag wird Netanjahu in Moskau erwartet. Russland bemüht sich seit langem um eine Vermittlerrolle im Nahost-Konflikt.

jok/ffr/dpa/dapd/Reuters/AP



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