Israelische Elite-Verweigerer "Revolte der Verhätschelten"

43 ehemalige israelische Elite-Geheimdienstler haben in einem Brief das Besatzungsregime angeprangert. Ihre harsche Abrechnung bringt ihnen nun Spott, Verachtung und disziplinarische Drohungen ein.
Gaza: Zwangsdienst als Patrouillengänger - das richtige Mittel für Verweigerer?

Gaza: Zwangsdienst als Patrouillengänger - das richtige Mittel für Verweigerer?

Foto: Abir Sultan/ dpa

Tel Aviv - Die israelische Armee hat am Sonntag "scharfe und klare" disziplinarische Maßnahmen für 43 ehemalige Militärgeheimdienstler angedroht, die in einem öffentlichen Brief an Premierminister Benjamin Netanjahu, an den Chef der Armee und des Militärgeheimdienstes angekündigt hatten, sich nie mehr an "Aktionen gegen Palästinenser" beteiligen zu wollen. Brigadegeneral Motti Almoz, Sprecher der Armee, meldete sich laut "Haaretz" via Facebook zu Wort  und betonte in seinem Statement: "Es gibt keinen Platz für Verweigerung in den Israel Defense Forces."

Der umstrittene Brief war am Donnerstag veröffentlicht worden. Darin war zu lesen, dass die 43 Unterzeichner, allesamt Veteranen der Eliteeinheit 8200 und bis heute Reservisten, keine "Instrumente der israelischen Besatzung" sein wollen. Das "Militärregime verweigert den Palästinensern dort Grundrechte", heißt es dort weiter. Eine Realität, in der für jüdische Siedler und palästinensische Anwohner zwei unterschiedliche Rechtssysteme gelten, die einem Teil - den Siedlern - Rechte zubilligen, die sie dem anderen Teil - den Palästinensern - verweigern, sei "kein unausweichliches Ergebnis einer notwendigen Selbstverteidigung". Diese Realität sehe so aus, weil die israelischen Regierungen sie sukzessive so gewählt hätten. Genauso verhalte es sich mit Entscheidungen zur Landenteignung, mit dem Verlauf der Sperranlage oder mit wirtschaftlichen Restriktionen.

"Revolte der Verhätschelten"

Auch jenseits des offiziellen Statements der Armee stößt das Schreiben der 43 Verweigerer seitdem auf zum Teil harsche Kritik. In einem Debattenbeitrag für "Israel Hayom", der meistgelesenen Zeitung des Landes, verspottet der prominente Journalist Dan Margalit die Aktion als "Revolte der Verhätschelten"; viele Mitglieder der Einheit 8200 seien "Wunderkinder" und traditionell von ihren Eltern nur deswegen zur renommierten Geheimdiensttruppe geschickt worden, weil der Dienst dort ihren Kindern nach der aktiven Zeit eine steile Karriere auf dem Arbeitsmarkt verspreche. Er empfiehlt, die Verweigerer zu degradieren - und für künftige Rekruten verpflichtende Patrouillendienste am Gaza-Streifen vorzusehen, damit diese die harte Realität des Konfliktes kennenlernten.

In eine ähnliche Kerbe schlägt ein weiterer "Israel Hayom"-Kommentator, der die 43 Verweigerer zum Zwangsdienst bei verwundeten Veteranen  und den Familien getöteter israelischer Soldaten heranziehen möchte. Er sieht in der Aktion einen möglichen Fall von Hochverrat und schreibt von einer "abscheulichen, selbstgerechten und arroganten Show".

tdo