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02. August 2018, 06:19 Uhr

Israels Drusen

Blutsbrüder zweiter Klasse

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Die Kritik an Israels Nationalstaatsgesetz reißt nicht ab. Besonders die Minderheit der Drusen ist entsetzt. Selbst Kabinettsmitglieder fordern Premier Netanyahu zum Umdenken auf, der lenkt ein wenig ein.

Ghassan Alian, 46 Jahre alt, ist Druse - und seit den Neunzigerjahren Soldat der israelischen Armee. Er war während der ersten Intifada im Einsatz, kämpfte im Libanonkrieg 2006 gegen die schiitische Hisbollah-Miliz und erlangte während des Gazakonflikts 2014 landesweite Berühmtheit: Alian kehrte trotz einer Verletzung zu der von ihm befehligten Einheit, der renommierten Golani-Brigade, zurück.

In diesen Tagen wird das damals entstandene Foto des verwundeten Alian von vielen Israelis in den sozialen Netzwerken wieder geteilt. Der Grund: Das umstrittene Nationalstaatsgesetz, das vergangene Woche in der Knesset verabschiedet wurde und nicht jüdische Israelis benachteiligt.

Unter anderem wird in dem vage formulierten Text festgehalten, dass Israel "Nationalstaat des jüdischen Volkes" sei und Hebräisch zur alleinigen Nationalsprache erklärt. Arabisch, immerhin Muttersprache für rund 20 Prozent aller Israelis, hat künftig einen Sonderstatus. Was das konkret heißt - ist offen.

Das Gesetz hat bereits für viel Unmut gesorgt. Tausende linksgerichtete Israelis demonstrierten diese Woche in Tel Aviv gegen die rechtsgerichtete Regierung, und ein arabisches Parlamentsmitglied legte aus Protest sogar sein Mandat nieder.

Netanyahu stellt sich stur - bislang

Die heftigste Kritik kam indes von der drusischen Minderheit, der Ghassan Alian angehört. In Israel leben rund 130.000 Drusen, die Mehrheit von ihnen im Norden des Landes, viele auf den Golanhöhen .

Im Gegensatz zu anderen nicht jüdischen Minderheiten leisten viele Drusen seit der Staatsgründung 1948 Wehrdienst, viele davon auch in Kampf- und Spezialeinheiten. Gesellschaft und Politik zollen ihnen dafür seit Jahrzehnten Respekt, die Drusen werden immer wieder auch als "Blutsbrüder" bezeichnet.

Scheich Muwafak Tarif, der spirituelle Führer der Drusen in Israel, traf sich unlängst sogar mit Premier Benjamin Netanyahu und dessen Kommunikationsminister Ayoub Kara, selbst ein Druse. Tarif forderte Änderungen an dem Gesetz. Netanyahu stellte sich bislang stur.

Am Mittwochabend unterbreitete er dann einen Kompromissvorschlag: Minderheiten, die in der israelischen Armee dienen - neben den Drusen sind das etwa auch Tscherkessen - sollen unter anderem Fördermittel in kulturellen und religiösen Bereichen erhalten. Einige, aber nicht alle, drusischen Knessetmitglieder sind mit diesem Vorschlag einverstanden. Für das Wochenende ist eine Demonstration geplant. Das neue Gesetz würde zudem erst nach der Sommerpause in das israelische Parlament eingebracht werden.

Der Druck auf Netanyahu ist groß, denn auch jüdische Minister denken öffentlich darüber nach, ob das Nationalstaatsgesetz nicht doch geändert werden müsse. Etwa der national-religiöse Bildungsminister Naftali Bennett, selbst ein Ex-Elitesoldat, der das Nationalstaatsgesetz eigentlich befürwortet hatte.

Bennett pries die Drusen als "unsere Brüder", die Seite an Seite mit jüdischen Israelis "auf den Schlachtfeldern stehen". Er erklärte, es sei notwendig, dass die Netanyahu-Administration einen Weg finden müsse, "um den Riss zu kitten". Ähnlich äußerte sich Finanzminister Mosche Kahlon in einem Radiointerview. Er mahnte eine Änderung des Gesetzes an, das "in Eile" verabschiedet worden sei.

Präsident unterzeichnet Gesetz - auf Arabisch?

Das Einlenken erster Minister ist vermutlich auch darauf zurückzuführen, dass mittlerweile erste drusische Soldaten öffentlichkeitswirksam ihren Austritt aus der Armee angekündigt haben, denn sie wollen nicht als Bürger zweiter Klasse an der Waffe dienen.

Selbst Generalstabschef Gadi Eizenkot, der sich aufgrund seines Postens normalerweise nicht zur Tagespolitik äußert, nahm nun Stellung. Er rief seine Soldaten auf, umstrittene politische Diskussionen aus der Armee herauszuhalten. Und was sagt Reuven Rivlin, der liberal-konservative Präsident, der das Gesetz unterzeichnen muss?

Der Sohn eines angesehenen Arabisten, der den Koran und die Geschichtensammlung "Tausendundeine Nacht" ins Hebräische übersetzte, soll israelischen Medienberichten zufolge bereits angekündigt haben, er werde das Gesetz zwar unterschreiben - aber auf Arabisch.

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