Angst vor Isolation Internationale Boykottbewegung setzt Israel unter Druck

Internationale Aktivisten, die für Sanktionen gegen den jüdischen Staat kämpfen, haben neuen Zulauf bekommen. Nun fürchtet Israel Boykotte.

Israels neue Justizministerin Ayelet Shaked: Kampagne zur Delegitimierung des Staates
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Israels neue Justizministerin Ayelet Shaked: Kampagne zur Delegitimierung des Staates


In Israel wächst die Sorge vor einer internationalen Boykotthaltung gegen den jüdischen Staat. Gerade hat der britische Studentenverband beschlossen, sich der Boykottbewegung BDS anzuschließen, die vor zehn Jahren auf palästinensische Initiative ins Leben gerufen wurde.

"Eine extensive Delegitimierungskampagne wird gegen den Staat Israel geführt und gegen seine Existenz als nationaler Staat des jüdischen Volkes", sagte die israelische Justizministerin Ayelet Shaked von der rechtsgerichteten Siedlerpartei "Jüdisches Heim" auf einer Sondersitzung der Knesset.

Die Kampagne wolle Israel als "Quelle allen Übels in der Welt" präsentieren, schimpfte die Justizministerin, "so wie Antisemitismus Juden in der Vergangenheit dargestellt hat". Auch Premierminister Benjamin Netanjahu kritisierte die Entscheidung des britischen Verbandes scharf. "Sie verdammen Israel, aber nicht den Islamischen Staat - damit verdammen sie sich selbst", sagte er während eines Treffens mit dem kanadischen Außenminister Robert Nicholson.

Zwar haben die Palästinenser zuletzt ihren Antrag fallen gelassen, Israel aus dem Weltfußballverband Fifa ausschließen zu lassen, doch die Initiative hat in Israel hohe Wellen geschlagen. Und der Druck wächst: Zahlreiche EU-Staaten fordern inzwischen eine Kennzeichnung von Produkten aus israelischen Siedlungen. Seit dem Gaza-Krieg im vergangenen Sommer geht der Tourismus zurück. 26 Prozent Minus waren es allein im zweiten Halbjahr 2014, so die Online-Seite "Ynet".

Die BDS (auf deutsch: Boyott, Kapitalabzug und Sanktionen), in der vor allem israelkritische und anti-zionistische Aktivisten vom linken Rand organisiert sind, will durch Boykotte auf allen Ebenen ein Ende der israelischen Besatzung und ein Rückkehrrecht für palästinensische Flüchtlinge erreichen. Sie findet auch an Hochschulen zunehmend Unterstützung.

agr/AP/dpa



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