Präventivschlag Fünf Tote bei Angriffen von Israel in Syrien

Bei einem Luftangriff Israels auf angebliche iranische "Killerdrohnen" sind laut Aktivisten fünf Kämpfer gestorben. Auch im Libanon gab es Zwischenfälle - die Spannungen nehmen weiter zu.

Ermittler des libanesischen Militärs an der Stelle, an der eine Drohne abgestürzt, eine weitere explodiert sein soll
NABIL MOUNZER/EPA-EFE/REX

Ermittler des libanesischen Militärs an der Stelle, an der eine Drohne abgestürzt, eine weitere explodiert sein soll


Um einen iranischen Angriff auf das eigene Staatsgebiet zu verhindern, hat Israels Luftwaffe Ziele nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus beschossen. Aktivisten zufolge wurden dabei mindestens fünf regierungstreue Kämpfer getötet. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, die Todesopfer seien zwei Anhänger der Iran-treuen Schiitenmiliz Hisbollah sowie ein iranischer Kämpfer. Die Identität der beiden weiteren Toten war demnach zunächst unklar. Offizielle Angaben gab es nicht.

Nach Angaben des israelischen Militärs handelte es sich bei dem Angriff um einen Präventivschlag gegen iranische "Killerdrohnen", die Ziele in Israels Norden angreifen sollten. "Jede dieser Angriffsdrohnen kann mehrere Kilogramm Sprengstoff transportieren", hatte der israelische Militärsprecher Jonathan Conricus gesagt. Es handele sich um einen Drohnentyp, der im "Kamikaze-Stil" bei Kontakt mit dem Ziel explodiere. Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu hatte den Grundsatz zitiert: "Wenn jemand aufsteht, um dich zu töten, töte ihn zuerst."

Hisbollah droht mit Vergeltung

Die israelische Armee greift immer wieder Ziele im benachbarten Bürgerkriegsland Syrien an, gibt dies jedoch nur selten offiziell zu. Die Bombardierungen richten sich Beobachtern zufolge gegen Kräfte, die mit Iran verbunden sind. Israel will verhindern, dass sich sein Erzfeind in Syrien militärisch weiter etabliert. Die Regierung in Teheran ist eng mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad verbündet. Der Iran unterstützt zahlreiche Milizen, die im Bürgerkrieg an der Seite der Regierungstruppen kämpfen.

Die libanesische Hisbollah-Miliz ist dort an der Seite der Regierung im Einsatz. Sie betrachtet Israel als ihren Erzfeind.

Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah bestätigte in einer TV-Ansprache den Tod zweier Kämpfer seiner Miliz. Wenn Israel "unsere Brüder" töte, werde es eine Antwort geben, drohte er. Auch im Libanon selbst kam es zu Zwischenfällen. Im Süden der Hauptstadt Beirut stürzte laut einem Hisbollah-Sprecher nahe dem Medienbüro der libanesischen Schiitenmiliz eine israelische Drohne ab. Eine zweite Drohne sei im selben Gebiet in der Luft explodiert.

Die libanesische Armee bestätigte das Eindringen zweier Drohnen. Libanons Ministerpräsident Saad Hariri sprach von einer "offenen Aggression gegen die Souveränität des Libanon".

Nasrallah nannte die Zwischenfälle in Beirut "sehr, sehr gefährlich" und kündigte Widerstand an: "Wir im islamischen Widerstand werden nicht erlauben, dass etwas Derartiges passiert, was immer der Preis ist." Sollte eine israelische Drohne in den libanesischen Luftraum eindringen, werde sie abgeschossen.

Rückendeckung für Israel aus den USA

Israelische Medien hatten zuvor berichtet, die Armee habe im Norden des Landes Batterien des Raketenabwehrsystems Iron Dome (Eisenkuppel) aufgestellt, um auf mögliche Gegenangriffe reagieren zu können.

Rückendeckung bekam Netanyahu aus den USA: Das US-Außenministerium teilte mit, Ressortchef Mike Pompeo habe in einem Telefonat mit Netanyahu Unterstützung geäußert für das Recht Israels, sich gegen Bedrohungen durch die Iranischen Revolutionsgarden zu verteidigen und bevorstehende Angriffe auf israelische Interessen in der Region zu verhindern.

kko/dpa



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