Benny Gantz Hacker-Affäre torpediert Wahlkampf von Netanyahus ärgstem Widersacher

Benny Gantz will Israels Premier werden - als saubere Alternative zu Benjamin Netanyahu. Doch nun bedroht ein Hacker-Skandal seine Kampagne. Es geht um Ehebruch, Erpressung und Iran.
Benny Gantz

Benny Gantz

Foto: AMIR COHEN/ REUTERS

Am liebsten hätte Benny Gantz über das geredet, was sich am Freitag gar nicht weit entfernt abgespielt hatte. Dort, nahe des Kibbuz Nir-Am und jenseits der Grenze Israels zum Gaza-Streifen, waren zahlreiche israelische Raketen eingeschlagen. Sie galten als Antwort auf zwei Geschosse der Hamas, die zuvor Tel Aviv erreicht hatten - zum ersten Mal seit dem Krieg 2014.

Doch die angereisten Reporter taten Gantz diesen Gefallen nicht. Sie wollten nur über eins reden: Den Hacking-Skandal um sein Handy und die Frage: Ist der wichtigste Gegner von Premier Benjamin Netanyahu durch pikante private Details erpressbar geworden?

Konkret geht es um einen Bericht des israelischen Fernsehens. Demnach hat der iranische Geheimdienst das Telefon des Politikers geknackt. Was dabei konkret erbeutet worden sein könnte, ist offen - aber die Spekulationen nehmen seitdem kein Ende. Von möglichem Ehebruch ist die Rede, von heiklen Aufnahmen und möglichen Unehrlichkeiten gegenüber dem politischen Partner. Im Wahlkampf vor der Parlamentswahl am 9. April kann Gantz solche Gerüchte natürlich gar nicht gebrauchen.

Entsprechend bissig reagiert er auf Nachfragen. "Wir sind hier, weil wir es mit einem andauernden Sicherheitsvorfall zu tun haben", sagte der Ex-Generalstabschef im Kibbuz und meinte die gegenseitigen Raketenbeschüsse. "Und in diese Lage hinein verbreitet jemand plötzlich diese politisch motivierte, sensationslüsterne und komplett wahnhafte Geschichte."

Aber - und so beschreibt die "New York Times" die Szene  - damit wollten sich die Reporter nicht zufriedengeben. Peinliche Videos hätten sich nicht auf dem Telefon befunden, das hatte Gantz Partei bereits erklärt. Aber was ist mit Fotos oder Unterhaltungen? "Auf dieses Niveau werde ich mich nicht begeben", so Gantz und nannte das Ganze "unethischen Blödsinn".

Die Partner waren offenbar nicht eingeweiht

Im Übrigen sei er auch nicht "Erpressung in irgendeiner Form" ausgesetzt. Im Wahlkampf hat er sich bisher als saubere, moralische Alternative zu Netanyahu präsentiert. In Umfragen fiel Gantz als aussichtsreichster Konkurrent des Premiers auf.

Gantz (r.) und Netanyahu (2012)

Gantz (r.) und Netanyahu (2012)

Foto: Avi Ohayon/ dpa

Nach bisherigem Stand wurde Gantz bereits vor fünf Wochen durch den israelischen Geheimdienst auf die Sicherheitslücke hingewiesen - also bevor er sich mit Ex-Finanzminister Yair Lapid zusammengetan hatte, um eine stärkere Front gegen Netanyahu zu bilden. Nach Angaben seiner Partei hatte Gantz dem neuen Partner allerdings nichts von dem Hack erzählt. "Yair und die anderen sind für diese Geschichte nicht wichtig", so Gantz.

Ist es eine gesteuerte Kampagne des politischen Gegners?

Zusammen mit seinen Mitstreitern vermutet er eine gezielte Kampagne Netanyahus , um die Konkurrenten im Wahlkampf zu schwächen. Immerhin berichtet der Chef des Geheimdiensts direkt an den amtierenden Premier.

Der Verdacht des Gantz-Lagers: Netanyahu will so von den zahlreichen Verfahren gegen sich selbst ablenken. Erst Ende Februar war der Regierungschef wegen Korruption angeklagt worden. Netanyahu selbst weist, ebenso wie seine Likud-Partei, jede Beteiligung an der Hacker-Geschichte von sich.

jok
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