Nahost-Konflikt Israel akzeptiert Waffenruhe - Hamas lehnt ab

Die ägyptische Initiative für eine Feuerpause in Nahost stößt auf geteiltes Echo: Das israelische Sicherheitskabinett hat die Waffenruhe akzeptiert - aber die palästinensische Hamas weist sie zurück. Bei einem Raketenangriff auf die israelische Stadt Eilat wurden vier Zivilisten verletzt.
Nahost-Konflikt: Israel akzeptiert Waffenruhe - Hamas lehnt ab

Nahost-Konflikt: Israel akzeptiert Waffenruhe - Hamas lehnt ab

Foto: MENAHEM KAHANA / AFP

Tel Aviv/Gaza/Kairo - Eine Woche nach Beginn der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen ist eine Waffenruhe immer noch nicht in Sicht. Zwar hat das israelische Sicherheitskabinett am Morgen einen ägyptischen Vorschlag für eine Feuerpause akzeptiert, aber die palästinensische Hamas lehnt eine Waffenruhe ohne Vorbedingungen ab.

"Ein Waffenstillstand ohne eine Einigung (mit Israel) ist ausgeschlossen", sagte Hamas-Sprecher Fausi Barhum. "In Zeiten des Krieges lässt man nicht die Waffen ruhen, um anschließend zu verhandeln." Die Hamas habe kein offizielles Angebot erhalten.

Ähnlich äußerte sich der bewaffnete Arm der Hamas, die Essedin-al-Kassam-Brigaden: Von offizieller Stelle habe niemand den "in den Medien diskutierten" Vorschlag einer Waffenruhe an die Gruppe herangetragen. Aber die in Medien veröffentlichten Auszüge zeigten, dass es sich um eine Initiative der "Unterwerfung" handele. "Unsere Schlacht mit dem Feind geht weiter und wird an Heftigkeit und Intensität zunehmen", hieß es in der Erklärung.

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Die von der ägyptischen Regierung vorgelegte Initiative sieht eine Waffenruhe vor. Zudem soll über die Einfuhr von Waren und Personen in den abgeriegelten Gazastreifen verhandelt werden. Binnen 48 Stunden nach Inkrafttreten des Waffenstillstands will Ägypten ranghohe palästinensische und israelische Delegationen empfangen, um indirekte Verhandlungen zu führen.

Steinmeier zu Gesprächen in Nahost

Das israelische Sicherheitskabinett war heute Morgen zusammen gekommen. Schon vorher hatte es in der israelischen Zeitung "Haaretz" geheißen, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu stehe dem Vorschlag positiv gegenüber. Mit der Zustimmung zu dem Plan trat die israelische Feuerpause heute um 8 Uhr MESZ in Kraft, wie das israelische Militärradio und der Fernsehsender Kanal Zwei berichteten.

Bei einer Dringlichkeitssitzung zum Gaza-Konflikt forderten die Außenminister der Arabischen Liga Israel und die Hamas auf, den ägyptischen Vorschlag umzusetzen. Auch die US-Regierung und der Sondergesandte des Nahost-Quartetts, Tony Blair, begrüßten die Initiative aus Kairo. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier will heute in Jerusalem und Ramallah über den Konflikt sprechen.

Seit dem Beginn der israelischen Luftangriffe im Gazastreifen am Dienstag vergangener Woche wurden in der palästinensischen Enklave bereits 186 Menschen getötet und fast 1300 verletzt. Laut Uno sind viele der Opfer Frauen und Kinder. Das Uno-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) berichtete von 17.000 Menschen, die in ihren Schulen Zuflucht gesucht hätten.

An diesem Dienstag wurden bei einem Raketenangriff auf die südisraelische Hafenstadt Eilat am Roten Meer vier Zivilisten verletzt. Israelischen Sicherheitskreisen zufolge wurden die drei Raketen von ägyptischem Boden aus abgefeuert. Dafür verantwortlich seien vermutlich militante Islamisten auf der ägyptischen Halbinsel Sinai, die Ägyptens Vorstoß für eine Nahost-Waffenruhe sabotieren wollten. Es war das erste Mal seit Beginn des jüngsten Konfliktes zwischen Israel und Palästinensern im Gazastreifen vor einer Woche, dass auch Eilat von Raketen getroffen wurde.

Der israelische Militäreinsatz ist die Vergeltung für Raketenangriffe aus dem Gazastreifen. Seit Beginn der Offensive schlugen 800 Raketen in Israel ein. Auf israelischer Seite wurde bislang niemand getötet. Es gab mehrere Verletzte, darunter vier Schwerverletzte. Auslöser der jüngsten Eskalation der Gewalt waren die Entführung und Ermordung von drei israelischen Teenagern und der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jungen.

ler/AFP/Reuters/dpa
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