Israel Hamas will weiter bomben

Der Nahostkonflikt steht vor einer neuen Eskalation: Der militärische Flügel der palästinensischen Terrororganisation Hamas hat sich zu mehreren Raketenangriffen auf israelische Ortschaften bekannt. Die Gruppe kündigte die vor anderthalb Jahren beschlossenen Waffenruhe inzwischen offiziell auf.


Gaza - Als Reaktion auf die israelischen Angriffe von gestern seien sieben Raketen auf Israel geschossen worden, darunter eine auf die südisraelische Stadt Aschkelon, teilten die Essedin-al-Kassam-Brigaden heute in Gaza mit. Berichte über mögliche Opfer lagen zunächst nicht vor. Die von den USA und der Europäischen Union als Terrororganisation eingestufte Hamas hat sich der Zerstörung Israels verschrieben, hielt aber die seit Februar 2005 geltenden Waffenruhe mit Israel bislang ein.

Hamas-Anhänger in Gaza: Zehntausende demonstrierten gestern gegen den Angriff der Israelis
AP

Hamas-Anhänger in Gaza: Zehntausende demonstrierten gestern gegen den Angriff der Israelis

Gestern allerdings kündigte der militärische Hamas-Flügel die Waffenruhe mit Israel offiziell auf, nachdem bei einem israelischen Angriff auf eine palästinensische Familienfeier am Freitag sieben Zivilisten, unter ihnen drei Kinder, worden waren. Die Nachrichtenbilder der verstümmelten Kinderleichen führten gestern Abend zu großen Demonstrationen im Gazastreifen. Auch der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Mark Regev, äußerte sein Bedauern: Der Tod Unschuldiger sei völlig inakzeptabel, erklärte er. Der israelische Kommandeur Generalmajor Joav Galant kündigte eine Untersuchung an.

Annan fordert Untersuchung

Auch Uno-Generalsekretär Kofi Annan forderte eine umfassende Untersuchung des Todes der Zivilisten. Ein Uno-Sprecher in New York sagte, Annan sei "tief beunruhigt" über den Tod von Unbeteiligten. Annan erinnerte die Verantwortlichen an ihre Verpflichtung, Gefahren für Zivilisten zu vermeiden. Eine weitere Eskalation müsse unter allen Umständen verhindert werden. Auch das russische Außenministerium verurteilte die israelischen Angriffe. Der Tod unschuldiger Zivilisten stehe erneut für den "unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt", hieß es.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas rief eine dreitägige Trauer aus. Abbas bat die Weltgemeinschaft wegen der jüngsten israelischen Angriffe um Hilfe. "Ich rufe die internationale Gemeinschaft, den Sicherheitsrat (der Uno) und die Mitglieder des Nahost-Quartetts auf, diesem israelischen Gangstertum gegen unser Volk ein Ende zu bereiten", zitierte die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa Abbas. "Was die israelische Besatzungsmacht im Gazastreifen macht, ist ein Auslöschungskrieg und ein blutiges Massaker gegen unser Volk." Er wisse nicht, "aus welchen Gründen die israelische Regierung solche grausamen Verbrechen am palästinensischen Volk begeht", erklärte Abbas.

Auch die US-Regierung äußerte Bedauern über den Tod palästinensischer Zivilisten. Die USA begrüße die Ankündigung Israels, den Beschuss zu untersuchen, sagte Außenamtssprecher Sean McCormack in Washington. Allerdings habe Israel das Recht, sich zu verteidigen, betonte der Sprecher und rief die palästinensische Autonomiebehörde auf, ihrerseits Angriffe auf Israel zu verhindern.

lan/AFP/AP



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