Israel "Imageschaden" durch Bulldozer-Einsatz

Die Zerstörung zahlreicher Palästinenser-Häuser im Gaza-Streifen durch die israelische Armee stößt auch innerhalb der Regierung von Premier Scharon auf heftigen Widerstand. Mehrere Minister der Arbeitspartei kritisierten das Vorgehen des Militärs, das am Montag seinen Bulldozer-Feldzug fortsetzte.


Zerstörte Häuser in Rafah: Schlecht für das Ansehen der Regierung, meint Außenminister Peres
AP

Zerstörte Häuser in Rafah: Schlecht für das Ansehen der Regierung, meint Außenminister Peres

Jerusalem - Im Auftrag der Stadtverwaltung Jerusalems demolierten die Fahrzeuge am Morgen sieben palästinensische Häuser im Ortsteil Issawia, die ohne israelische Baugenehmigung errichtet worden waren. Insgesamt hat die Stadtverwaltung Abrissbefehle für 17 Häuser in Issawia erteilt.

Während der Zerstörungsaktion kam es zu Handgreiflichkeiten zwischen der Polizei und Anwohnern. Die Polizei nahm auch zwei israelische Friedensaktivisten fest, die gegen die Maßnahme protestierten. Ein Einwohner beschrieb die Häuserzerstörungen im israelischen Armeesender. "Ein vollkommen heiles Haus wurde eingerissen, mitsamt dem ganzen Besitz der Familie", schilderte ein Augenzeuge.

Unterdessen hagelt es auch innerhalb der israelischen Regierung Kritik am Vorgehen des Militärs. "Die Zerstörung von Wohnhäusern bringt uns in den Medien großen Schaden", sagte Außenminister Schimon Peres. Man müsse sehr vorsichtig mit solchen Aktionen sein. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte Peres, seinen Informationen zufolge seien jedoch nur Häuser zerstört worden, in denen sich Terroristen aufgehalten hätten oder von denen Tunnel abgegangen wären, durch die Waffen geschmuggelt worden seien. Ministerpräsident Ariel Scharon verteidigte das Vorgehen der Armee als einzigen wirksamen Schritt, den Waffenschmuggel der Palästinenser-Regierung zu stoppen.

Verkehrsminister Efraim Sneh von der Arbeitspartei sagte, er werde im Kabinett die Frage stellen, ob die Zerstörungen notwendig gewesen seien. Sein Parteikollege, Wissenschafts- und Kulturminister Matan Wilnai, sagte, er akzeptiere, dass Sicherheitsfragen Grund für die Aktion gewesen seien. Die Härten hätten aber abgemildert werden können, wenn einige hundert Meter entfernt Wohnwagen aufgestellt worden wären, in die die Palästinenser hätten ziehen können.

Peres contra Scharon: Streit um die Wahl der Mittel im Kampf gegen extremistische Palästinensergruppen
AFP

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Israelische Soldaten hatten in Rafah zahlreiche Häuser mit der Begründung zerstört, von dort aus seien Armeeposten beschossen worden. Der Kommandeur im Gaza-Streifen, General Jisrael Siw, bestritt jedoch, dass dadurch jemand obdachlos geworden sei. Solche Behauptungen beruhten auf "Manipulationen der Palästinenser-Regierung".

Dagegen erklärte das Internationale Rote Kreuz, durch die Militäraktion seien 93 Familien mit 600 Personen obdachlos geworden. Die Organisation teilte mit, sie werde die Obdachlosen in Rafah mit Decken, Kochstellen, Gaslampen und Hygiene-Artikeln versorgen. Sie lebten derzeit in Zelten, die von Uno-Hilfsorganisationen zur Verfügung gestellt worden seien.



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