Kommunalwahl in Israel In Haifa beginnt eine neue Ära, in Tel Aviv bleibt alles beim Alten

70 Jahre nach der Gründung des Staates Israel wird erstmals eine der drei großen Städte des Landes von einer Frau regiert: Einat Kalisch Rotem ist neue Bürgermeisterin von Haifa. Die Ergebnisse der Kommunalwahl im Überblick.

Wahllokal in Israel
ATEF SAFADI/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Wahllokal in Israel


Seit 15 Jahren regierte Yona Yahav Israels drittgrößte Stadt Haifa. Am Dienstag endete diese Ära: Bei der Kommunalwahl unterlag der Bürgermeister seiner Gegenkandidatin Einat Kalisch Rotem von der Arbeitspartei. Die Architektin setzte sich mit 55 zu 38 Prozent der Stimmen durch. "Ich bete, dass die neue Stadtführung weiß, wie sie das bewahrt, was in den vergangenen 15 Jahren erreicht wurde", sagte Yahav.

Einat Kalisch Rotem ist damit 70 Jahre nach der Staatsgründung die erste Frau an der Spitze einer der drei großen israelischen Städte.

In Tel Aviv hingegen geht die Ära von Ron Huldai weiter. Der Politiker der Arbeitspartei regiert die Stadt seit 20 Jahren, am Dienstag ist er für fünf Jahre wiedergewählt worden. Huldai setzte sich mit 46 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang gegen seinen Stellvertreter Asaf Zamir und den TV-Comedian Assaf Harel durch.

In Jerusalem hat hingegen kein Bürgermeisterkandidat im ersten Wahlgang die nötige Mehrheit von 40 Prozent der Stimmen erreicht. Hier kommt es am 13. November zur Stichwahl zwischen Moshe Lion, der vom ultraorthodoxen Innenminister Arie Deri und von Verteidigungsminister Avigdor Liberman unterstützt wird, und dem säkularen Kandidaten Ofer Berkovitch. Lion holte im ersten Wahlgang 33 Prozent, Berkovitch 29 Prozent der Stimmen.

Boykott der Palästinenser in Ostjerusalem

Das Ergebnis in Jerusalem ist eine Schlappe für Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Der von ihm unterstützte Bewerber Zeev Elkin landete mit 19 Prozent nur auf dem dritten Platz. Noch schlechter lief die Wahl für den ultraorthodoxen Kandidaten Yossi Deitch, der nur 17 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte. Er machte die politische Spaltung der ultraorthodoxen Juden für sein Scheitern verantwortlich. "Wenn das haredische Judentum heute geeint wäre, hätte niemand sonst eine Chance gehabt", sagte Deitch. (Lesen Sie hier mehr über den Konflikt zwischen ultraorthodoxen und säkularen Juden in Jerusalem)

Die Palästinenser in Ostjerusalem boykottierten die Wahl wie üblich aus Protest gegen die seit 1967 andauernde israelische Besatzung. Knapp 2500 Palästinenser beteiligten sich an der Kommunalwahl, das entspricht einer Wahlbeteiligung von etwas mehr als einem Prozent. Deshalb scheiterte auch Ramadan Dabasch, der erste palästinensische Bewerber für einen Platz im Stadtrat von Jerusalem, mit seiner Kandidatur.

syd



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Frietjoff 31.10.2018
1. »Neue Ära«, das ist albern
Also bitte! Israel hatte schon vor Jahrzehnten eine Premierministerin. Parteicheffinnen sind auch keine Seltenheit. Eine neue Ära begänne erst, wenn eine mehrheitlich jüdische israelische Stadt einen arabischen Bürgermeister wählt (oder eine mehrheitlich arabische -- ohne Wahlboykott -- einen jüdischen).
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