Familie Netanyahu Skandal in der Smolenskin-Straße 9

Jair Netanyahu postet ein antisemitisches Meme über politische Gegner seines Vaters - und kriegt Lob von Ku-Klux-Klan-Veteran David Duke. Israel ist entsetzt, der Premier schweigt.
Benjamin und Sara Netanyahu mit ihrem Sohn Jair im Urlaub (Archiv)

Benjamin und Sara Netanyahu mit ihrem Sohn Jair im Urlaub (Archiv)

Foto: REUTERS/ GPO/ Handout

Benjamin Netanyahu ist auf großer Lateinamerika-Reise. Er besucht in diesen Tagen Argentinien, Kolumbien und Mexiko. Es ist das erste Mal in der Geschichte des Landes, dass ein amtierender israelischer Ministerpräsident nach Südamerika reist. Anschließend fliegt der 67-Jährige weiter nach New York. Dort wird er an der jährlichen Uno-Generalversammlung teilnehmen. Der Politik-Veteran genießt diese Auslandstrips.

Dieses Mal ist es auch eine Flucht. Der Grund: Zu Hause hat der Premier eine Menge persönliche Probleme. Er ist im Visier der Staatsanwaltschaft. Die israelische Justiz ermittelt gleich in zwei Fällen gegen Netanyahu, in zwei weiteren gegen enge Vertraute.

Es geht dabei unter anderem um teure Geschenke reicher Freunde - kubanische Zigarren für ihn, Schmuck für seine Frau und Reisen für seinen ältesten Sohn - sowie den Verdacht der versuchten Beeinflussung eines einflussreichen Zeitungsverlegers. (Lesen Sie hier eine Übersicht der Akte Netanyahu).

Attacke gegen George Soros und Ehud Barak

In der vergangenen Woche wurde zudem bekannt, dass die israelischen Behörden einen Prozess gegen seine Frau Sara vorbereiten. Sie wird verdächtigt, öffentliche Gelder in Höhe von umgerechnet rund 100.000 US-Dollar veruntreut zu haben.

Am Wochenende geriet dann ein weiterer Bewohner aus dem Haus in der Smolenskin-Straße 9, Ecke Balfour-Straße, wo die Netanyahus wohnen, in den Fokus der Öffentlichkeit - Jair.

Der älteste Sohn der Netanyahus veröffentlichte ein Meme über politische Gegner seines Vaters auf seiner privaten Facebook-Seite mit dem Titel "Nahrungskette". Darauf zu sehen: der jüdische Börsenmilliardär George Soros, den Netanyahu senior als persönlichen Feind betrachtet.

Soros lässt in dem Meme eine Weltkugel als Futter vor einer Reptilienkreatur baumeln. Das Tier verfüttert seinerseits ein alchemistisches Symbol an eine Illuminatenfigur, die eine Dollarnote an Ehud Barak verfüttert. Der Ex-Premier greift Netanyahu seit Wochen massiv an und soll sein politisches Comeback vorbereiten. Zwei weitere Gegner von Benjamin Netanyahu vervollständigen diese "Kette".

"Willkommen im Club"

Die Folge: ein Aufschrei. Die Anti-Defamation League erklärte, das Posting enthalte offen antisemitische Elemente und dürfe nicht verharmlost werden. Neonazis aus den USA lobten Netanyahu junior indes umgehend für sein Posting.

Andrew Anglin, der die Seite "Daily Stormer" betreibt, erklärte im Interview mit einem israelischen Fernsehkanal: "Ich unterstütze Jair Netanyahu, denn er ist gegen die Juden aufgestanden". Und der ehemalige Anführer des Ku-Klux-Klans, David Duke, twitterte begeistert: "Willkommen im Club, Yair. Absolut hervorragend, wow, wirklich wow."

Avi Gabbay, Vorsitzender der oppositionellen Arbeiterpartei, reagierte fassungslos. "Ein trauriger Tag, besonders für das ganze israelische Volk, an dem aus dem Haus des Ministerpräsidenten des jüdischen Staates eine Karikatur kommt, der der KKK-Chef zustimmt", twitterte er.

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Und auch der angegriffene Ehud Barak zeigte sich entsetzt: "Das ist es, was das Kind zu Hause hört? Was ist das, Genetik oder Geistesgestörtheit?", schrieb er und schlug vor, man solle Jair einen Psychiater finanzieren.

24 Stunden später löschte Netanyahu junior die Meme schließlich - und reagierte noch mal auf den Tweet Baraks. Der 26-Jährige bezeichnete den 75-Jährigen indirekt als Alkoholiker. Seinen Post schloss er mit den Worten: "Es ist Zeit für einen Altenpfleger, Ehud."

Premier Netanyahu äußerte sich bislang nicht zu dem Verhalten seines Sohnes. Von Journalisten vor seiner Abreise nach Südamerika auf das Posting angesprochen, sagte er knapp: "Das hier ist keine Pressekonferenz."

Nicht der erste Skandal

Es ist nicht das erste Mal, dass Jair für Empörung sorgt. Der junge Mann griff unlängst via Facebook eine linke NGO an. Die hatte moniert, dass er auf Kosten der israelischen Steuerzahler noch bei seinen Eltern wohne sowie einen Fahr- und Sicherheitsservice zur Verfügung habe, obwohl er kein politisches Amt innehat.

Seine Reaktion: Er bezeichnete die NGO als "radikal-antizionistische Organisation", die unter anderem von der EU finanziert werde. Er fügte hinzu, sie solle sich doch unter anderem lieber einem der Söhne von Ex-Ministerpräsident Ehud Olmert widmen. Der habe schließlich eine "interessante Beziehung" zu einem Palästinenser, was Auswirkungen auf die Sicherheit des Staates habe.

Die NGO zieht nun vor Gericht. Ariel Olmert, der betroffene Sohn des ehemaligen Premiers, reagierte gelassener. Er antwortete, er sei heterosexuell, habe aber kein Problem mit Menschen, die homosexuell oder Palästinenser seien.