SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

05. Juli 2017, 11:10 Uhr

Israel

Jüdischer Siedler für Kirchenanschlag verurteilt

Ein jüdischer Extremist verübte 2015 einen Brandanschlag auf die Brotvermehrungskirche am See Genezareth. Dafür ist der radikale Siedler jetzt verurteilt worden.

Ein radikalgläubiger Jude ist für einen Anschlag auf eine berühmten Wallfahrtskirche im Norden Israels verurteilt worden. Die Anklage hatte ihm "schwere Brandstiftung" und eine kriminelle Verschwörung vorgeworfen. Das Strafmaß soll im September verkündet werden.

Der heute 22-jährige Jinon Reuveni hatte 2015 einen Brandsatz auf die Brotvermehrungskirche in Tabgha geworfen und dabei das Gebäude und Inventar schwer beschädigt. Die römisch-katholische Kirche steht auf einer Anhöhe am Ufer des Sees Genezareth.

Der christlichen Mythologie zufolge soll Jesus an dieser Stelle eines seiner größten Wunder vollbracht haben. Die Kirche gilt Christen als der Ort, an dem Jesus bei der Speisung der Fünftausend Brotlaibe und Fische vermehrte.

Die Polizei hatte nach der Tat mitgeteilt, an den Wänden hätten sich "Schmähparolen auf Hebräisch gefunden", die gegen "Heiden" und "Götzen" gerichtet waren. Die Kirche musste geschlossen werden und wurde nach den Reparaturen im Februar wieder geöffnet. Der Schaden betrug umgerechnet rund 900.000 Euro, davon übernahm der israelische Staat gut ein Drittel.

Die israelische Tageszeitung "Haaretz" berichtete, Reuveni stamme aus einer israelischen Siedlung im Westjordanland. Seine Anwälte können das Urteil noch 45 Tage lang anfechten. Jüdische Extremisten greifen immer wieder Kirchen, Moscheen und israelische Friedensaktivisten an.

cht/AFP/AP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung