Israel "Kurz vor einer totalen Bruchlandung"

Die "Koalition der nationalen Einheit" unter Ariel Scharon schien in Israel schon fast perfekt. Nach dem Rückzug von Noch-Premier Ehud Barak aus der Politik ist jetzt wieder alles offen.


Ariel Scharon
AFP

Ariel Scharon

Jerusalem - Die israelische Arbeitspartei und der Likud des neu gewählten Ministerpräsidenten Scharon haben am Donnerstag ihre Bemühungen um die Bildung einer großen Koalition fortgesetzt. Verhandlungsteams beider Seiten trafen sich zu weiteren Gesprächen. Nachdem der scheidende Regierungschef Barak das Verteidigungsministerium abgelehnt und seinen Rückzug aus der Politik erklärt hat, gibt es in der Arbeitspartei Forderungen, jetzt das Finanzministerium anzustreben. Israelische Medien berichteten, Scharon habe seine Delegation aber angewiesen, einer solchen Forderung nicht nachzugeben. Er will, dass der frühere Regierungschef Schimon Peres das Verteidigungsministerium übernimmt.

Nach Baraks Rückzug ist innerhalb der Arbeitspartei ein Machtvakuum entstanden. Ranghohe Parteimitglieder wollten sich am Donnerstag treffen, um über einen Mechanismus zur Entscheidung über die interne Verteilung der Ministerposten zu beraten. In der Partei hat sich ein links-liberales Lager formiert, das vehement gegen eine große Koalition mit der rechtgerichteten Likud-Partei kämpft. Nach einem Treffen führender Mitglieder dieses Lagers sagte Justizminister Jossi Beilin, der Arbeitspartei drohe im Fall eines Regierungseintritts die Spaltung. "Ich glaube nicht, dass die Arbeitspartei eine solche Entscheidung überleben würde. Wir stehen kurz vor einer totalen Bruchlandung."

Palästinenser: USA an israelischen Anschlägen beteiligt

Kurz vor der ersten Nahost-Reise des neuen US-Außenministers Colin Powell warfen die Palästinenser den USA vor, Israel durch die Militärhilfe indirekt bei Anschlägen auf Palästinenser zu unterstützen. Informationsminister Jassir Abed Rabbo sagte Radio Palästina am Donnerstag, die Lieferung von Waffen und Kampfhubschraubern bedeute eine "indirekte Beteiligung der USA an Attentaten auf Palästinenser".

Israelische Kommandos haben in den vergangenen Monaten etwa 20 Palästinenser getötet, denen Israel die Beteiligung an Anschlägen vorwirft. Bei mehreren der Angriffe feuerten die Soldaten Raketen aus Hubschraubern ab. Rabbo sagte, er habe in einem Brief an die internationale Untersuchungskommission unter Leitung des ehemaligen US-Senators George Mitchell Schritte zum Stopp dieser israelischen Angriffe gefordert.



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