Nach Überführung eines gefallenen Soldaten Israel lässt zwei syrische Gefangene frei

Die Regierung Netanyahu revanchiert sich für die Rückführung der Leiche eines seit 1982 vermissten israelischen Soldaten aus Syrien. Zwei syrische Häftlinge kommen vorzeitig aus einem israelischen Gefängnis frei.

Syrer auf den von Israel besetzten Golanhöhen
AFP

Syrer auf den von Israel besetzten Golanhöhen


Vor drei Wochen sorgte Russland dafür, dass die sterblichen Überreste des israelischen Soldaten Zachary Baumel, der seit 1982 vermisst worden war, von Syrien nach Israel überführt wurden. Nun revanchiert sich Israel - und lässt zwei Syrer aus dem Gefängnis frei.

Israelische Medien zitierten einen Regierungsbeamten mit den Worten, es handle sich um eine "Geste des guten Willens". Zwei Minister sagten dem Fernsehsender Channel 13, dass die Entscheidung zur Freilassung der beiden Syrer ohne Zustimmung oder Beratung des Kabinetts in den vergangenen Tagen gefällt worden sei. Israels Generalstaatsanwalt Avichai Mandelbilt habe den Beschluss nach Informationen von "Haaretz" gebilligt, Staatspräsident Reuven Rivlin die Begnadigung der Gefangenen unterschrieben.

Kein "diplomatisches Preisschild"

Die Überführung der sterblichen Überreste des seit 37 Jahren verschollenen Soldaten war fünf Tage vor den Parlamentswahlen in Israel erfolgt - und wurde deshalb allgemein als Wahlkampfhilfe von Wladimir Putin an Benjamin Netanyahu betrachtet.

Die Identität der beiden syrischen Häftlinge, die nun freikommen sollen, ist unklar. Vermutlich handelt es sich um Bewohner der Golanhöhen. Sie sind syrische Staatsbürger, die aber auf dem Gebiet leben, das seit 1967 von Israel besetzt wird.

Ihre Freilassung weckt Zweifel an den Aussagen von israelischen Regierungsvertretern rund um Baumels Rückführung Anfang April. Sie hatten damals erklärt, die Überführung seines Leichnams trage kein "diplomatisches Preisschild".

Dem widerspricht nun Alexander Lawrentiew, Wladimir Putins Sondergesandter für Syrien. Israel habe sich damals verpflichtet, "einige syrische Staatsbürger, die in israelischen Gefängnissen sitzen", freizulassen, sagte Lawrentiew dem russischen Fernsehsender RT.

syd/AP/Reuters



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