Reaktion auf Rohani-Rede Netanjahu will Druck auf Iran erhöhen

Der israelische Ministerpräsident warnt davor, Teheran mehr Freiraum beim Atomprogramm zu gewähren - genau das hatte Irans neuer Präsident gefordert. Doch Netanjahu ist unnachgiebig: Er will den Druck auf Iran noch erhöhen, um das umstrittene Nuklearvorhaben zu stoppen.
Israels Ministerpräsident Netanjahu (Archivbild): Nur Druck hilft im Streit mit Iran

Israels Ministerpräsident Netanjahu (Archivbild): Nur Druck hilft im Streit mit Iran

Foto: DPA

Teheran - Israel fühlt sich von dem iranischen Atomprogramm massiv bedroht. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat davor gewarnt, Iran mehr Freiraum beim Atomprogramm zu geben. "Der iranische Präsident hat gesagt, dass Druck nicht helfen wird", sagte Netanjahu bei einem Treffen mit einer Delegation von US-Kongressabgeordneten in Jerusalem. "Das stimmt nicht - in den vergangenen zwei Jahrzehnten war Druck das Einzige, was geholfen hat", sagte der Regierungschef . "Und das Einzige, was nun helfen wird, ist noch mehr Druck."

Irans neuer Präsident Hassan Rohani hatte in seiner ersten Pressekonferenz im Amt angekündigt, die Atomverhandlungen mit dem Westen zügig wieder aufnehmen zu wollen. Die Gespräche könnten "ohne Verzögerungen" beginnen, die Verhandlungspartner müssten allerdings einsehen, dass dies "nur durch Gespräche und nicht durch Druck" erreicht werden könne.

Der 64-Jährige machte in seiner Rede zugleich klar, dass Iran sein umstrittenes Nuklearprogramm fortsetzen wird. "Das friedliche Atomprogramm Irans ist eine nationale Angelegenheit", sagte der Geistliche. "Wir werden die Rechte des iranischen Volkes nicht aufgeben." Dazu gehöre auch die Urananreicherung.

Der Westen verdächtigt Iran, unter dem Deckmantel der friedlichen Nutzung heimlich am Bau von Atomwaffen zu arbeiten. Zuletzt hatten 76 US-Senatoren in einem Brief an Präsident Barack Obama härtere Sanktionen gegen Iran gefordert. Iran bestreitet die Vorwürfe. Die Gespräche des Landes mit der sogenannten 5+1-Gruppe, zu der die Vetomächte im Uno-Sicherheitsrat und Deutschland gehören, waren zuletzt ins Stocken geraten.

Israels Ministerpräsident warnte vor den Konsequenzen, sollte der Druck auf Iran tatsächlich gelockert werden: "Dann werden sie den Weg bis zum Ende gehen", sagte Netanjahu. Israel sieht sich durch das iranische Atomprogramm in seiner Existenz bedroht. Mit seinen Kriegsdrohungen gegen Iran hat Netanjahu in der Vergangenheit nicht nur die US-Regierung mehrfach brüskiert, sondern auch bei anderen Verbündeten - darunter auch Deutschland - für Irritationen gesorgt.

Unterstützung bekam Rohani vom russischen Außenminister Sergej Lawrow: Er stimme mit dem iranischen Präsidenten absolut darin überein, dass sich der Atomstreit "nur durch Verhandlungen, nicht durch Ultimaten" lösen lasse. Dieser Ansatz der neuen Regierung in Teheran müsse unterstützt werden.

aar/dpa
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