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05. Oktober 2018, 21:38 Uhr

Israel-Palästina-Konflikt

Junge bei Protesten am Gazastreifen getötet

Bei Konfrontationen an der Gaza-Grenze sind erneut Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen worden, darunter ein Teenager. Das meldet das Gesundheitsministerium in Gaza.

Nach palästinensischen Angaben haben israelische Soldaten an der Grenze zum Gazastreifen mindestens zwei Palästinenser getötet. Darunter soll ein Junge gewesen sein.

Die Nachrichtenagenturen Reuters und AP berichten von drei Getöteten, die Agenturen AFP und DPA dagegen von zwei verstorbenen. Unter den Toten ist ein Junge im Teenageralter. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge solle er nur zwölf Jahre alt gewesen sein, andere Quellen sagen, er sei 13 oder 14 gewesen.

Mindestens 60 Menschen, heißt es bei der Nachrichtenagentur dpa, seien außerdem bei den Protesten durch Kugeln verletzt worden. Das habe das Gesundheitsministerium im von der radikalislamischen Hamas kontrollierten Gazastreifen mitgeteilt. Die Nachrichtenagenturen Reuters und AP berichteten von 126 verletzten Menschen, die Nachrichtenagentur AFP von 367 Verletzten. Die Lage ist unübersichtlich, die Angaben sind derzeit nicht zu verifizieren.

Seit Ende März gibt es an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel regelmäßig freitags Zusammenstöße zwischen Palästinensern und der israelischen Armee. Mindestens 197 Palästinenser und ein israelischer Soldat wurden seitdem getötet. Zuletzt waren Ende September sechs Palästinenser getötet worden.

Die israelische Armee teilte mit, rund 20.000 Palästinenser hätten sich an verschiedenen Orten entlang der Grenze versammelt. Teilnehmer der Proteste hätten Sprengsätze und Steine auf Soldaten geworfen sowie brennende Reifen in ihre Richtung gerollt.

Sie habe auf Angriffe aus einer Menge von Demonstranten heraus reagiert, erklärte die israelische Armee. Zehn Männer seien zeitweilig über die Grenze nach Israel vorgedrungen und hätten Granaten geworfen. Einige Palästinenser hätten den Grenzzaun überwunden, um Granaten auf israelisches Territorium zu schleudern, und seien dann auf ihr Gebiet zurückgekehrt. Unter den Israelis gab es den Angaben zufolge keine Verletzten.

Die protestierenden Palästinenser fordern ein Recht auf Rückkehr in jene Gebiete, aus denen ihre Familien bei der Gründung Israels 1948 flüchteten oder vertrieben wurden.

Israel rechtfertigt die Abriegelung des dicht besiedelten Palästinensergebiets zu Lande, zu Wasser und in der Luft mit der Notwendigkeit, die im Gazastreifen regierende radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas in Schach zu halten. Israel wirft der Hamas vor, die Proteste zu inszenieren und als Vorwand für Angriffe zu nutzen. Im Gazastreifen, einem schmalen Landstrich am Mittelmeer, leben auf engstem Raum rund zwei Millionen Palästinenser.

mal/Reuters/AP/AFP/dpa

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