Gaza-Grenze Sechs Palästinenser bei Zusammenstößen getötet

Bei Auseinandersetzungen mit israelischen Soldaten an der Gaza-Grenze sind nach palästinensischen Angaben mindestens sechs Menschen erschossen worden. Darunter waren offenbar auch Minderjährige.

Angehörige beklagen den Tod eines 12-jährigen Palästinensers
AFP

Angehörige beklagen den Tod eines 12-jährigen Palästinensers


Bei neuen Protesten im Gazastreifen haben laut palästinensischen Angaben israelische Soldaten mindestens sechs Palästinenser erschossen. Die Nachrichtenagentur DPA berichtet sogar von sieben Toten. Wie das Gesundheitsministerium in Gaza mitteilte, starben offenbar auch Minderjährige. Die israelische Armee habe bei Zusammenstößen in der Mitte und im Norden des Gazastreifens an der Grenze zu Israel scharfe Munition abgefeuert.

Seit Ende März protestieren Palästinenser im Gazastreifen gegen die israelische Blockade des Küstengebietes. Dabei gibt es immer wieder Zusammenstöße zwischen Palästinensern und der israelischen Armee, bei denen auch Menschen durch Schüsse israelischer Soldaten sterben. Zuletzt starben Mitte September drei Menschen bei Auseinandersetzungen. Insgesamt wurden seit Ende März mindestens 193 Palästinenser und ein israelischer Soldat getötet.

Laut den Nachrichtenagenturen DPA und AP teilte das Gesundheitsministerium in Gaza mit, es seien auch ein 12-Jähriger und ein 14-Jähriger unter den Toten gewesen. Die Nachrichtenagentur AFP berichtet von zwei Jungen im Alter 14 und 18. Drei der vier anderen getöteten Palästinenser seien durch Kopfschüsse gestorben. Weitere 506 Palästinenser seien verletzt worden. Davon hätten 90 Schussverletzungen erlitten.

Die israelische Armee erklärte, an verschiedenen Punkten des Gazastreifens hätten sich mehr als 20.000 Palästinenser an Protesten beteiligt. Die Soldaten hätten das Feuer eröffnet, als Sprengsätze und Steine in ihre Richtung geworfen worden seien. Zu getöteten Palästinensern machte die Armee zunächst keine Angaben.

Die palästinensischen Demonstranten fordern die Aufhebung der von Israel seit mehr als zehn Jahren verhängten Blockade gegen den Gazastreifen und die Rückkehr von Palästinensern auf ihr Land, das sie bei der Gründung des Staates Israel 1948 aufgrund von Vertreibung oder Flucht verließen.

Israel rechtfertigt die Abriegelung des dicht besiedelten Palästinensergebiets zu Lande, zu Wasser und in der Luft mit der Notwendigkeit, die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas in Schach zu halten, die den Gazastreifen regiert. Es wirft der Hamas vor, die Proteste zu inszenieren und als Vorwand für Angriffe zu nutzen.

mal/dpa/AFP/AP



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