Israel Polizist wegen Todesschüssen auf Palästinenser verhaftet

Eine Kamera filmte im Mai, wie zwei Palästinenser im Westjordanland erschossen wurden. Nun haben israelische Ermittler einen verdächtigen Grenzpolizisten in Haft genommen, der auf einen der Jugendlichen geschossen haben soll.

Tödlich getroffener Mohammed Salama: Schüsse mit scharfer Munition?
AP/dpa

Tödlich getroffener Mohammed Salama: Schüsse mit scharfer Munition?


Jerusalem - Im Mai starben zwei Palästinenser bei einer Demonstration im Westjordanland, nun hat die Polizei einen verdächtigen Beamten festgenommen. Der Grenzpolizist sei in Untersuchungshaft gekommen, wie unter anderem die israelische Zeitung "Haaretz" berichtet. Er steht demnach unter Verdacht, einen der beiden Jugendlichen erschossen zu haben.

Der Fall hatte im Mai international großes Aufsehen erregt: Videoaufnahmen einer Überwachungskamera zeigten damals, wie zwei Passanten nahe des israelischen Militärgefängnisses Ofer plötzlich tot zusammenbrechen. Sie waren zu diesem Zeitpunkt nicht an den Ausschreitungen anlässlich des palästinensischen Nakba-Protesttags am 15. Mai beteiligt. Mit "Nakba" (Katastrophe) wird in der arabischen Welt die Staatsgründung Israels 1948 und die Vertreibung hunderttausender Palästinenser bezeichnet.

Für die Armee waren die Aufnahmen Fälschungen

Rechtsanwalt Benny Katz, der den inhaftierten Polizisten vertritt, nannte die Festnahme "gegenstandslos". Sein Mandant bestreite, mit scharfer Munition geschossen zu haben. Auch Armee und Polizei hatten nach der Erschießung der beiden unbewaffneten Jugendlichen mehrfach versichert, sie hätten bei der von Steinwürfen begleiteten Protestkundgebung nahe Beitunija ausschließlich nicht-tödliche Abwehrmittel eingesetzt. Scharfe Munition sei bei dem Einsatz nördlich der Stadtgrenze von Jerusalem nicht eingesetzt worden.

Eine Autopsie der Leiche des 17-jährigen Nadim Nuwara hatte ergeben, dass dieser von Kugeln getroffen wurde, was die weiteren Ermittlungen auslöste. Die Eltern des zweiten Opfers, Mohammed Mahmud Salama, hatten einer Autopsie nicht zugestimmt. Der 16-Jährige starb an gleicher Stelle unter ähnlichen Umständen. Die Ermittlungen, die jetzt zur Festnahme führten, waren in den vergangenen sechs Monaten von einer Spezialabteilung des israelischen Justizministeriums weitergeführt worden, die Klagen gegen Polizisten untersucht.

Die Filmaufnahmen des Vorfalls waren von der Kinderrechtsorganisation Defence for Children und der Menschrechtsgruppe B'Tselem ins Internet gestellt worden und setzten sich aus Material von Überwachungskameras zusammen. "Der Film wurde bearbeitet und spiegelt nicht wieder, was an dem Tag wirklich an Gewalt passiert ist", erklärte dazu damals Armeesprecher Arje Schalikar. "Wir haben im Verlauf unserer Untersuchungen keinen Hinweis gefunden, dass scharfe Munition eingesetzt wurde."

mxw/AFP



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