Gefährliche Eskalation Raketengefechte an Israels Grenze zum Libanon

Vor 13 Jahren hatten Israel und die libanesische Hisbollah-Miliz zuletzt Krieg gegeneinander geführt. Beschuss an der Grenze nährt jetzt die Sorge vor einem neuen Waffengang.

Beschuss an der israelisch-libanesischen Grenze
Aziz Taher/REUTERS

Beschuss an der israelisch-libanesischen Grenze


Die Lage an Israels Grenze zum Libanon ist am Sonntag gefährlich eskaliert. Die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah feuerte bei der Ortschaft Avivim nach eigenen Angaben auf ein israelisches Militärfahrzeug. Der Angriff sei eine Vergeltung für den Tod zweier Hisbollah-Kämpfer durch einen israelischen Angriff in Syrien.

Israels Armee bestätigte, dass aus dem Libanon zwei bis drei Panzerabwehrraketen in Richtung des israelischen Grenzorts Avivim abgefeuert worden seien. Ziel seien ein israelischer Militärstützpunkt und Armeefahrzeuge gewesen. Es habe mehrere Treffer gegeben. Auf israelischer Seite habe es keine Opfer gegeben, teilte die Armee mit. Sie dementierte damit entsprechende Angaben der Hisbollah.

Die israelische Armee habe das Feuer mit dem Einsatz von Artillerie und Kampfhubschraubern erwidert und Ziele im Süden des Libanons beschossen. Etwa 100 Artilleriegranaten seien Richtung Libanon abgefeuert worden. Die libanesische Armee sprach von mehr als 40 Raketen und Granaten, die nahe der Ortschaften Marun al-Ras und Jarun eingeschlagen seien. Über Opfer auf libanesischer Seite wurde zunächst nichts bekannt.

Israelische Ortschaften entlang der Grenze wurden angewiesen, die zivilen Schutzbunker zu öffnen. Zu der neuen Eskalation kam es nur zwei Wochen vor Israels Parlamentswahl.

Sorge vor einer weiteren Eskalation

Israels Staatspräsident Reuven Rivlin sagte: "All jene, die uns schaden wollen, müssen wissen, dass wir bereit und gewillt sind, Israels Bürger zu verteidigen, wo immer sie sind, ohne zu zögern. Wir sind bereit und wir wollen nicht beweisen müssen, wie gut vorbereitet wir sind."

In der vergangenen Woche hatten die Spannungen zwischen Israel und dem Libanon zugenommen. Nach dem Absturz einer Drohne und der Explosion einer zweiten über der Hauptstadt Beirut vor einer Woche warf die Hisbollah Israel einen Bombenangriff vor. Der libanesische Präsident Michel Aoun sprach von einer "israelischen Aggression", die einer "Kriegserklärung" gleichkomme.

Am Mittwoch schoss die libanesische Armee nach eigenen Angaben im Süden des Landes auf drei israelische Aufklärungsdrohnen. Israel warf dem Iran vor, mithilfe der Hisbollah im Libanon die Herstellung von Präzisionsraketen zu intensivieren.

Die gegenseitigen Angriffe nährten die Sorge vor einer weiteren Eskalation der Lage. Zuletzt war es 2006 zu einem rund einmonatigen Krieg zwischen Israel und der Hisbollah gekommen, den die Schiitenmiliz als Sieg feierte. Auf libanesischer Seite wurden mehr als 1200 Menschen getötet, auf der israelischen mehr als 160 Soldaten und Zivilisten.

lov/dpa



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Flieger2010 01.09.2019
1.
das Foto zeigt die Machtverhältnisse
pnegi 01.09.2019
2. Traurig...
Herr Netanjahu bereitet in Israel seine Wiederwahl vor. Und hat als Wahlhelfer ausgerechnet Herrn Nasrallah engagiert. Mit Krieg eine Wahl zu gewinnen, ist schon krass. Sagt viel aus über den Zustand in der "Einzigen Demokratie" im Nahen Osten...
@ Johannes 01.09.2019
3.
Frage: Was will Israel vom Iran? Antwort: Nichts! Frage: Was will der Iran von Israel? Antwort: Es zerstören! Israel befindet sich gegenüber der Hisbollah und damit unmittelbar dem Iran im permanenten Verteidigungsmodus, mit allen aus der Sehnsucht nach Sicherheit, selbstverständlich auch innenpolitisch erwachsenden Konsequenzen.
adrenalin1 01.09.2019
4. Mich wundert weit mehr
dass SPON nicht über den BDS-Aufruf und seine Einschränkungsversuche der Pressefreiheit durch den wahlkämpfenden Bibi zu berichten. Die üblichen Neckereien zwischen Israelis und Hisbolla, die noch dazu folgenlos blieben sind sicher auch erwähnenswert, sie stehen ja auch in einem klaren Kontext der letzten Tage (israelische Spionagedrohnen über dem Libanon) Netanjahus dreiste Versuche die ihn betreffende Korruptionsermittlung bei Chanel 12 zu unterdrücken sind zwar gerichtlich gescheitert aber das ein israelischer Premier diese Chuzpe besitzt nur weil er partout wiedergewählt werden will BDS-Methoden einzufordern ist dann wirklich erstaunlich. "Netanyahu Seeks to Silence Critical Media by Hitting Their Revenues After failing to prevent channel from publishing leaked materials from his corruption probes, PM tells Israelis they should boycott it for producing show that 'slanders Israel' ... on Friday, the High Court of Justice rejected a petition by Netanyahu's Likud party to block Channel 12 from broadcasting leaked investigation materials from his corruption cases. ... However, that wasn't enough for Netanyahu. He called on Israelis to boycott a private company in Israel. What Netanyahu failed to do through regulation and legislation, he'll do through social media, where he doesn't see himself as prime minister, but as a celebrity who can call on people to boycott commercial entities. Two weeks before the election, Netanyahu is determined to do anything so the media will stop reminding Israelis of the suspicions of corruption hanging over him. " https://www.haaretz.com/israel-news/netanyahu-seeks-to-silence-critical-media-by-hitting-their-revenues-1.7772701 Es sollte auch einem deutschen Leitmedium möglich sein sich für die Pressefreiheit einzusetzen. und das scheint mir dringlicher als über einen fehlgeschlagenen Angriff zu berichten .
thinking_about 01.09.2019
5. Nicht nur das
Zitat von pnegiHerr Netanjahu bereitet in Israel seine Wiederwahl vor. Und hat als Wahlhelfer ausgerechnet Herrn Nasrallah engagiert. Mit Krieg eine Wahl zu gewinnen, ist schon krass. Sagt viel aus über den Zustand in der "Einzigen Demokratie" im Nahen Osten...
Netanjahu hat auch heute verkündet, weitere Siedlungen zu annektieren und demnächst alle. Wenn Israel doch endlich einmal eine andere Regierung bekommen könnte. Durchschauen seine Landsleute eigentlich das Gebahren nicht?
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