Kriegs-Szenario mit Iran Israel rechnet mit höchstens 300 Toten

Mit großer Sorge blickt die Welt auf den Konflikt zwischen Israel und Iran. Sollten israelische Kampfjets das Land unter Feuer nehmen, hätte dies gravierende Auswirkungen. Tel Aviv hält dagegen die Folgen für überschaubar - zumindest im eigenen Land.


Tel Aviv - Im Falle eines Krieges mit Iran würden voraussichtlich weniger als 300 Menschen in Israel durch Raketenangriffe ums Leben kommen - das berichten "Haaretz" und "Jerusalem Post" unter Berufung auf einen Militär-Bericht an das Kabinett von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Zudem könnte es Hunderte Verletzte und erhebliche Schäden an privatem Eigentum sowie der Infrastruktur geben.

Verteidigungsminister Ehud Barak hatte bereits im November gesagt, es werde bei einem Krieg "nicht einmal 500 Tote" zu beklagen geben. Allerdings gibt es Warnungen, dass die israelische Zivilverteidigung nicht ausreichend auf Raketenangriffe durch Teheran und dessen Verbündete im Südlibanon, in Syrien und im Gazastreifen vorbereitet ist. Für etwa 25 Prozent der Menschen in Israel sind keine Schutzräume vorhanden.

Israel warnt seit langem, dass es das iranische Atomprogramm notfalls auch im Alleingang militärisch stoppen oder zumindest verzögern werde. Erst Anfang März war Netanjahu in die USA gereist, um mit US-Präsident Barack Obama über einen Militärschlag zu sprechen. Der setzt dagegen auf eine diplomatische Lösung.

Wie viele andere Länder auch wirft Israel der Regierung in Teheran vor, das iranische Atomprogramm diene nicht wie behauptet nur zivilen Zwecken, sondern ziele auf den Bau von Atombomben ab. Dieses aber hält Israel angesichts der extrem feindlichen Töne aus Teheran für eine Bedrohung seiner Existenz.

Die USA und Europa drängen Israel, auf keinen Fall schon jetzt loszuschlagen. Den immer härteren Sanktionen gegen Iran müsse Zeit gelassen werden, so die Argumentation.

Nach einer Umfrage von Ende März halten 65 Prozent der Israelis die Risiken eines atomar bewaffneten Irans für schlimmer als die Konsequenzen eines baldigen Militärschlags gegen die Atomanlagen. Fast ebenso viele - 60 Prozent - hielten eine militärische Lösung des Problems für letztlich unausweichlich.

Erst vor wenigen Tagen hatte das US-Magazin "Foreign Policy" unter Berufung auf vier hochrangige US-Diplomaten und Geheimdienstmitarbeiter berichtet, dass die israelische Luftwaffe Zugang zu mehreren Militärflugplätzen in Aserbaidschan erhalten habe. "Die Israelis haben sich einen Fliegerhorst gekauft. Und dieser Fliegerhorst heißt Aserbaidschan", zitierte die Zeitschrift einen Regierungsbeamten aus Washington.

heb/dpa

insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
W. Robert 03.04.2012
1. Nur Gewinner?
Von einem (begrenzten) Krieg in der Krisenregion profitieren praktisch alle, mit Ausnahme der Chinesen. Obama hat im Kriegsfall eine erstklassige Ausrede, warum der Spritpreis an der Zapfsäule bedrohlich ansteigt. Die Ölproduzenten jeglicher Couleur erzielen höhere Einnahmen, und die "Banker" freuen sich, dass man die Schuld an der zu erwartenden Inflation auf "höhere Gewalt" verlagern kann. Genau darum geht es: Die frisch gedruckten Billionen werden zwangsläufig eine Inflation verursachen, die man an den Tankstellen am deutlichsten bemerken wird. Falls es im Iran tatsächlich losgeht ist mit einem Ölpreis von über 200$/Barrel zu rechnen. Daraus würde ein Spritpreis von 2.50€ und mehr resultieren. Ich denke, dass auch der Iran von einem begrenzten Scharmützel profitieren würde, eine absurde Situation. Ahmadinedschad bettelt doch seit Jahren um Schläge, es fällt schon auf, dass er mit großem Vergnügen in jedes Fettnäpfchen tritt. Das beschriebene "relativ harmlose" Szenario kann aber auch jederzeit entgleisen, der "miltärisch-industrielle Komplex" und dessen Finanziers waren schon immer ein unkalkulierbares Risiko für den Frieden in der Welt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.