Israel Sarkozy soll Entlassung Liebermans gefordert haben

"Sie müssen diesen Mann loswerden!" - Frankreichs Präsident Sarkozy soll Berichten zufolge Israels Premier Netanjahu die Entlassung von Außenminister Lieberman empfohlen haben. Die israelische Regierung reagierte verstört.


Jerusalem - In der israelischen Regierung herrscht Aufregung. Der Grund: Nach israelischen Berichten hat Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy Ministerpräsident Netanjahu die Entlassung des ultrarechten israelischen Außenministers Avigdor Lieberman nahegelegt.

Israels Außenminister Lieberman: "Unerträgliche Einmischung"
DPA

Israels Außenminister Lieberman: "Unerträgliche Einmischung"

"Sie müssen diesen Mann loswerden", soll Sarkozy in der Vorwoche in Paris bei einer Unterredung zu Netanjahu gesagt haben. Anstelle von Lieberman solle Netanjahu die frühere Außenministerin Zipi Livni ernennen. Mit der moderateren Oppositionsführerin und Verteidigungsminister Ehud Barak an seiner Seite könne Netanjahu "Geschichte machen", habe Sarkozy seine Personalempfehlung begründet.

Sarkozy habe Lieberman sogar mit dem rechtsextremen französischen Politiker Jean-Marie Le Pen verglichen, hieß es am Dienstag. Er habe sich "die Haare gerauft", als er die ultrarechten Äußerungen Liebermans gehört habe, sagte Sarkozy den Berichten zufolge während des Treffens mit Netanjahu, bei dem auch drei weitere israelische Politiker zugegen waren.

Israels Premier reagierte verstört: In einer Erklärung Netanjahus hieß es am Dienstag, Lieberman sei ein wichtiges Mitglied der Regierung und erfülle eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der israelischen Nahost-Politik. Natanjahus Sprecher Nir Hefetz sagte im Armeerundfunk: "Der Ministerpräsident hat nicht das Gefühl, dass er von außen einen Rat zu seiner Regierung braucht."

Israelische Medien zitierten am Dienstag Repräsentanten des Außenministeriums mit den Worten, es handele sich um eine inakzeptable Einmischung in Israels innenpolitische Angelegenheiten.

"Wenn die Dinge, die dem französischen Präsidenten zugeschrieben werden, richtig sind, handelt es sich um eine schwerwiegende und unerträgliche Einmischung eines respektablen demokratischen Staates in die Angelegenheiten eines anderen demokratischen Staates", verlautete nach Angaben der Zeitung "Haaretz" aus Liebermans Büro.

anr/dpa/AP



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