Israel Scharon geht von baldiger Regierungsbildung aus

Der Koalitionspoker in Israel geht weiter. Der künftige Premier Ariel Scharon hat jetzt der Arbeitspartei seines Vorgängers Ehud Barak zwei der Kernministerien angeboten. Doch der ziert sich noch.


Zuversichtlich: Ariel Scharon
AFP

Zuversichtlich: Ariel Scharon

Jerusalem - Scharon und Barak wollen heute ihre Gespräche über die Bildung einer Koalitionsregierung fortsetzen. Nach Angaben von Mitarbeitern der konservativen Likud-Partei zeigte sich Scharon nach einem Gespräch mit Barak am Sonntag zuversichtlich, rasch eine Regierung der nationalen Einheit mit der Arbeitspartei Baraks bilden zu können. Scharon bot der Arbeitspartei zwei der drei Ministerien für Verteidigung, Äußeres und Finanzen an.

Die Arbeitspartei ist in der Frage eines Eintrittes in die Regierung Scharon gespalten. Friedensnobelpreisträger Schimon Peres, dem Scharon das Außenministerium anbieten will, tritt offen für ein Bündnis mit dem rechten Likud ein. Andere linksorientierte Kräfte innerhalb der Partei, darunter Justizminister Jossi Beilin, erwägen die Etablierung einer neuen sozialdemokratischen Partei gemeinsam mit der links-liberalen Meretz-Partei.

Schießereien im Westjordanland

Bewaffnete Palästinenser erschossen am Sonntag einen israelischen Autofahrer. Wie die israelische Polizei und Ärzte mitteilten, starb der 35-Jährige kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus. Die Palästinenser hätten aus der Ortschaft Beit Dschala heraus auf israelische Fahrzeuge gefeuert, die die Straße zwischen Jerusalem und jüdischen Siedlungen im Westjordanland befahren hätten. Nach Angaben von Palästinensern wurden zwei Palästinenser bei Zwischenfällen in der Nähe von Bethlehem verwundet. Erstmals seit mehreren Wochen kam es nach Angaben der israelischen Polizei auch zu einer Schießerei in der Nähe der jüdischen Siedlung Gilo am Stadtrand von Jerusalem. Auch in Nablus sei es zu neuen Gewalttätigkeiten gekommen.

Scharon hat ein Ende der Gewalt zur Bedingung für eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche mit den Palästinensern gemacht. Verschiedene Palästinenserorganisationen haben jedoch eine Fortsetzung ihres Aufstandes angekündigt. Palästinenser-Präsident Jassir Arafat zeigte sich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters abwartend und sagte, die Palästinenser würden Scharon nach seiner Politik und seiner Regierung beurteilen. Er müsse seine Entschlossenheit zum Frieden unter Beweis stellen.



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