Nahostkonflikt Israel will mit mehr Truppen die Gewalt eindämmen

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern verschärft sich: Wegen der Anschläge in den vergangenen Tagen rüstet Israels Premier Benjamin Netanyahu auf. Er schickt neue Truppen ins Westjordanland.

Israelische Soldaten: Sollen den Konflikt im Westjordanland beruhigen
AFP

Israelische Soldaten: Sollen den Konflikt im Westjordanland beruhigen


Vier Bataillone Soldaten sowie Hunderte Polizisten will die israelische Regierung nach den jüngsten Ausschreitungen ins Westjordanland und nach Ostjerusalem schicken. Das hat das Sicherheitskabinett beschlossen. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu beauftragte außerdem Justizministerin Ajelet Schaked damit, die juristischen Prozeduren für die Zerstörung von Häusern zu beschleunigen, die palästinensischen Attentätern gehören.

Auf die jüngsten Anschläge palästinensischer Extremisten mit mehreren Toten sowie die weiteren Unruhen in den besetzten Gebieten reagiert Israel somit mit zusätzlichen Sicherheitskräften. Laut der israelischen Zeitung "Haaretz" scheut die Regierung aber einen Großeinsatz. Dennoch begann die Armee in Ostjerusalem am Dienstag, die Häuser von Palästinensern abzureißen, die im Vorjahr Mordanschläge auf Israelis verübt hatten. Angesichts der Eskalation sprechen Medien und Politiker bereits von einer dritten Intifada im seit Jahrzehnten andauernden israelisch-palästinensischen Konflikt.

Am Rande des Begräbnisses für einen 13-Jährigen kam es unterdessen erneut zu Zusammenstößen. Israelische Truppen hatten ihn bei einer gewalttätigen Demonstration erschossen. Bei den Zusammenstößen wurden nun mehrere Palästinenser durch israelische Truppen verletzt.

Auslöser der jüngsten Gewalt war unter anderem die Tötung dreier Mitglieder einer Palästinenser-Familie bei einem Brandanschlag jüdischer Extremisten im vergangenen Juli nahe Nablus. Die Täter wurden bis heute nicht gefasst. Auseinandersetzungen um die Gebetsrechte auf dem für Juden wie Muslime gleichermaßen heiligen Tempelberg in Jerusalem heizten den Konflikt weiter an.

Derweil hat die israelische Polizei nun mehrere Männer festgenommen, die den Mordanschlag auf ein Siedler-Ehepaar am vergangenen Donnerstag verübt haben sollen. Es handele sich um mutmaßliche Mitglieder der radikalislamischen Hamas aus Nablus im Norden des Westjordanlands, sagte ein Armeesprecher. Sie hätten in der Nähe der Siedlung Itamar das Feuer auf das Fahrzeug eröffnet, in dem die Siedler unterwegs waren. Das Ehepaar starb vor den Augen seiner vier Kinder. Die Tatverdächtigen gaben die Tat zu, wie der Sprecher sagte.

apr/dpa/AP



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