Russisches Flugzeug Putin wertet Abschuss als tragisches Versehen

Russlands Präsident Putin bezeichnet den Abschuss eines russischen Flugzeuges als Verkettung unglücklicher Umstände. Damit entschärft er einen drohenden Konflikt mit Israel.

Iljuschin-20-Flugzeug (Archivbild)
DPA/ epa Tass

Iljuschin-20-Flugzeug (Archivbild)


Die israelische Armee hat jede Verantwortung für den Abschuss eines russischen Militärflugzeugs durch syrische Flugabwehr von sich gewiesen.

Vielmehr sei die syrische Luftabwehr "voll verantwortlich", für das "unglückliche Vorkommnis". Die syrische Luftabwehr habe wahllos gefeuert und sich nicht darum gekümmert, ob russische Maschinen in der Luft gewesen seien, teilte Israels Militär mit. Die Il-20 sei von "ausgiebigem und ungenauem syrischem Feuer" getroffen worden.

Auch der russische Präsident Wladimir Putin äußerte sich zu dem Zwischenfall. Es sei sicher, dass Israel das Flugzeug nicht abgeschossen habe. Er sprach von einer Verkettung unglücklicher Umstände und entschärft damit einen sich anbahnenden Konflikt mit Israel. Man müsse noch genau untersuchen, was in Syrien passiert sei, sagte das russische Staatsoberhaupt in Moskau.

Nun gelte es, herauszufinden, wie es zu dem tragischen Vorfall gekommen sei. Russlands Antwort werde darauf gerichtet sein, die Sicherheit von Russen in Syrien zu gewährleisten. Dabei will auch Israel helfen. Regierungschef Benjamin Netanjahu kündigte an, alle notwendigen Informationen zur Aufklärung des Falles weiterzugeben. Das sagte Netanjahu in einem persönlichen Telefonat mit Putin. Das Büro Netanjahus hatte zuvor die Schuld ebenfalls klar der syrische Luftabwehr gegeben.

Nach einer ersten Darstellung Russlands vom Dienstagmorgen hatten vier israelische Kampfjets vom Typ F-16 am späten Montagabend begonnen, die syrische Stadt Latakia zu bombardieren. In der Nähe befanden sich die französische Fregatte "Auvergne" und die russische Propellermaschine Il-20.

Israelischer Angriff auf syrische Einrichtung

Russland hatte die Schuld zunächst einem der israelischen Flugzeuge gegeben. So habe sich der israelische Jet hinter der russischen Propellermaschine verborgen, lautete die Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums. Damit habe die israelische Luftwaffe den Abschuss des Aufklärungsflugzeugs durch die syrische Luftabwehr provoziert.

Laut israelischem Militär hätten die eigenen Kampfflugzeuge eine syrische Einrichtung ins Visier genommen, die im Auftrag Irans Waffen an die radikalislamische Hisbollah-Miliz habe liefern wollen. Als das russische Militärflugzeug abgeschossen worden sei, hätten sich die israelischen Maschinen bereits wieder im Luftraum des eigenen Landes befunden.

Iran ist an der Seite von Syriens Präsident Baschar al-Assad im syrischen Bürgerkrieg aktiv und unterstützt dort auch die schiitische Hisbollah. Israel fliegt regelmäßig Angriffe in Syrien, vor allem auf die iranisch kontrollierten Milizen der Hisbollah.

Israels Armee drückte ihr Bedauern über den Tod der Mannschaft des russischen Flugzeugs aus. Bei dem Absturz waren alle 15 Besatzungsmitglieder der russischen Maschine gestorben. In Moskau wurde die Botschafterin Israels zum Rapport ins Außenministerium einbestellt.

mho/cht/dpa/Reuters



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