Wehrpflicht in Israel Ultraorthodoxe attackieren strenggläubigen Soldaten

Israel will die Wehrpflicht für streng orthodoxe Juden in Israel. Die wehren sich gegen den Dienst an der Waffe - auch, indem sie ihre Glaubensbrüder angreifen: In Jerusalem wurde ein ultraorthodoxer Soldat mit Steinen beworfen.

Jerusalem - Ein ultraorthodoxer Soldat ist in Jerusalem von seinen Glaubensbrüdern angegriffen worden. Der Mann habe sich am Dienstag in einem Gebäude verschanzt, nachdem Dutzende ultraorthodoxe Juden Steine nach ihm geworfen hatten, sagte ein Polizeisprecher. Auch die Einsatzkräfte seien von 100 bis 150 Haredim oder "Gottesfürchtigen", wie Ultraorthodoxe auch genannt werden, mit Steinen attackiert worden, als sie versuchten, dem Soldaten zu Hilfe zu kommen. Der Mann wurde schließlich unverletzt in Sicherheit gebracht. Vier Angreifer wurden festgenommen.

In Israel tobt derzeit eine Debatte über den Militärdienst für ultraorthodoxe Juden. Die Regierung hatte am Sonntag einen Gesetzesentwurf verabschiedet, der vorsieht, Mitglieder der streng religiösen Gemeinschaft künftig nicht mehr automatisch von der Wehrpflicht zu befreien, wenn sie an religiösen Seminaren studieren. Das Ende der Tradition hatte der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak bereits im vergangenen Jahr angeordnet und Musterungsbescheide verschickt.

Der Entwurf, den die ultraorthodoxe Gemeinschaft heftig bekämpft, muss nun vom Parlament in drei Lesungen beraten werden. Der Militärdienst ist für Israelis verpflichtend. Männer müssen drei Jahre Dienst an der Waffe ableisten, Frauen ein Jahr weniger.

Der Oberste Gerichtshof hatte die Sonderregelungen für ultraorthodoxe Juden und Angehörige der arabischen Minderheit für verfassungswidrig erklärt und deren Abschaffung verlangt.

Die bisherige Regelung der Freistellung Ultraorthodoxer stammt aus der Zeit der Staatsgründung 1948. Damals gab es jedoch nur 400 solcher Fälle pro Jahr. Die Geburtenrate in ultraorthodoxen Familien liegt jedoch wesentlich höher als in westlich geprägten, weniger religiösen Bevölkerungsgruppen.

sun/AFP