Neun Tage vor Eurovision Song Contest Hamas droht mit Angriffen auf Tel Aviv

Angriffe im Grenzgebiet und in Gaza, aber bisher nicht in Tel Aviv: Gut eine Woche vor dem Eurovision Song Contest sind mehrere Palästinenser und ein Israeli im Nahostkonflikt ums Leben gekommen.

Palästinensischer Mann vor beschädigten Gebäuden in Gaza-Stadt
Suhaib Salem/ REUTERS

Palästinensischer Mann vor beschädigten Gebäuden in Gaza-Stadt


Der Konflikt zwischen Israel und militanten Palästinensern im Gazastreifen ist erneut gefährlich eskaliert. Bei Angriffen der israelischen Luftwaffe wurden in Gaza seit Samstag mindestens sechs Palästinenser getötet, darunter eine schwangere Frau und ihr einjähriges Kind. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa, die sich auf Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums bezieht. Die israelische Armee widerspricht dieser Darstellung. Ihren Angaben zufolge wurden die Frau und das Kind von einer fehlgeleiteten Hamas-Rakete getötet.

In der Küstenstadt Aschkelon starb nach Polizeiangaben in der Nacht zum Sonntag ein Israeli, als eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete sein Wohnhaus traf. Nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom wurden in Israel 83 Menschen verletzt, darunter eine 80-Jährige, die in Kiriat Gat Raketensplitter trafen.

Die neue Eskalation geschieht nur wenige Tage vor dem internationalen Gesangswettbewerb Eurovision Song Contest (ESC) in Tel Aviv, der am 14. Mai beginnt. Militante Palästinenserorganisationen haben mit einer Ausweitung der Angriffe auf die Küstenmetropole gedroht, die bisher nicht betroffen ist. Ägypten bemüht sich nach Medienberichten um eine Waffenruhe.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu wollte seine Minister am Sonntag zu einer Dringlichkeitssitzung versammeln, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Die US-Regierung stellte sich hinter Israel. "Wir stehen auf der Seite Israels und unterstützen sein Recht auf Selbstverteidigung gegen diese abscheulichen Attacken", erklärte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Morgan Ortagus, am Samstag.

Schulen im Süden Israels geschlossen

Seit Samstag feuerten militante Palästinenser nach israelischen Militärangaben rund 430 Raketen auf israelische Ortschaften ab. Auch am Sonntagmorgen dauerten die Raketenangriffe an. In israelischen Wohngebieten mussten seit Samstag Zehntausende Menschen in Schutzräume flüchten, in den betroffenen Regionen heulten immer wieder die Alarmsirenen. Mehrere Häuser in Ortschaften nahe dem Gazastreifen wurden von Raketen getroffen. Die Schulen in Israels Süden blieben am Sonntag geschlossen.

Die israelische Luftwaffe griff in der Nacht zum Sonntag ihrerseits erneut Ziele im Gazastreifen an. Am Samstag hatten Kampfjets unter anderem ein Hauptquartier der dort herrschenden radikalislamischen Hamas-Bewegung sowie mehrere Raketenwerkstätten und Waffenlager zerstört. Israelische Medien berichteten, es seien auch Wohnhäuser ranghoher Mitglieder der Palästinenserorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad beschossen worden. Insgesamt wurden nach Armeeangaben seit Samstag 200 Ziele im Gazastreifen attackiert.

Bei einem der Luftangriffe wurde nach Augenzeugenberichten ein sechsstöckiges Gebäude im Westen von Gaza-Stadt zerstört. In dem Gebäude habe sich unter anderem das Büro der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu befunden. Über Opfer bei diesem Angriff wurde zunächst nichts bekannt.

Die neue Runde der Gewalt begann am Freitag, als es an der Grenze im Gazastreifen zu Konfrontationen mit israelischen Soldaten kam. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza starben vier Palästinenser, darunter zwei Hamas-Kämpfer. Die Hamas wird von Israel, USA und EU als Terrororganisation eingestuft. Die militanten Palästinenserfraktionen im Gazastreifen teilten in einer gemeinsamen Stellungnahme mit, man werde die Toten rächen.

Nach palästinensischen Angaben sind bei Protesten seit März vergangenen Jahres rund 280 Palästinenser getötet und Tausende verletzt worden. Israel hält seit mehr als zehn Jahren eine Blockade des überbevölkerten und schlecht versorgten Küstenstreifens aufrecht, die von Ägypten mitgetragen wird. Die Maßnahme wird mit Sicherheitserwägungen begründet.

lov/AFP/dpa

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