Eskalation in Nahost
Hamas beschießt Flughafen von Tel Aviv
Der Konflikt in Nahost weitet sich aus. Auch aus dem Libanon sind nun Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert worden. Israels Armee hat drei Raketen über Tel Aviv abgefangen - offenbar sollten sie den Flughafen Ben Gurion treffen.
Gaza - Die Hamas hat aus dem Gazastreifen offenbar Raketen auf den Flughafen Ben Gurion am Stadtrand von Tel Aviv geschossen. Die israelische Armee fing nach eigenen Angaben drei aus dem Gazastreifen abgefeuerte Geschosse über der Stadt ab. Sie seien von dem Abwehrsystem "Iron Dome" ("Eiserne Kuppel") in der Luft zerstört worden, teilte das Militär mit.
Die Hamas bekannte sich zu der Attacke und erklärte, vier Raketen vom Typ M75 auf den Flughafen abgeschossen zu haben. Zeugen in Tel Aviv berichteten, kurz nach dem Luftalarm vier oder fünf Explosionen gehört zu haben.
Das Militärkommando der islamistischen Organisation begründete die Attacke damit, dass auf dem Ben-Gurion-Flughafen auch eine Luftwaffenbasis sei. Zudem könnten weitere Angriffe folgen: "Wir warnen Sie davor, den Flughafen Ben Gurion anzufliegen, denn er wird heute eines unserer Ziele sein", teilten die Kämpfer am Freitag mit.
Der Konflikt zwischen Israel und der Hamas scheint sich auszuweiten. Am Freitag schlugen nach israelischen Angaben auch im Norden des Landes Geschosse ein. Aus dem Nachbarstaat Libanon seien mehrere Raketen abgefeuert worden, teilten die libanesischen Streitkräfte mit. Wer für den Beschuss verantwortlich ist, war zunächst unklar.
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Sderot: Zittern vor den Raketen der Hamas
Foto: Mohammed Saber/ dpa
Der Südlibanon ist eine Hochburg der israelfeindlichen Hisbollah-Miliz. In dem Gebiet sind auch einige palästinensische Gruppen aktiv. Im vergangenen Jahr kam es mehrfach zu Schusswechseln über die Grenze. Schon im Dezember waren Raketen aus dem Libanon im Norden Israels eingeschlagen.
Israel seinerseits setzte im Süden des Landes die Angriffe auf den Gazastreifen mit Kampfjets und von Schiffen aus fort. Dabei wurden am frühen Morgen nach palästinensischen Angaben mindestens vier Menschen getötet.
Die Zahl der Toten bei den israelischen Luftangriffen im Gazastreifen ist nach jüngsten palästinensischen Angaben auf mindestens 100 gestiegen. Seit Beginn der israelischen Offensive seien zudem 680 Palästinenser verletzt worden, teilte der Sprecher der Rettungsdienste im Gazastreifen, Aschraf al-Kidra, am Freitag über Twitter mit. Es mehrten sich Berichte über zivile Opfer, darunter Frauen und Kinder.
US-Präsident Barack Obama bot Israel an, bei Verhandlungen über eine Feuerpause im Konflikt mit den Palästinensern zu vermitteln. Sollte Israel zu einer Bodenoffensive ansetzen, kann sich das Land offenbar auch der Unterstützung der USA sicher sein. Nach Worten des US-Botschafters Dan Shapiro gibt Washington der Regierung von Benjamin Netanjahu die volle Rückendeckung im Fall einer Bodenoffensive in dem Palästinensergebiet. "Wir werden Israel unterstützen, auch wenn es sich dafür entscheiden sollte, Bodentruppen nach Gaza zu schicken", sagte der Botschafter dem israelischen Armeesender.
Ständige Bedrohung: Reichweite der Hamas-Raketen (Stand Juli 2014)
6 BilderAngriffe aus Gaza und Libanon: Israel unter Feuer
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Abwehrrakete des israelischen Militärs: Das System "Iron Dome" soll die israelische Bevölkerung vor den palästinensischen Angriffen schützen.
Foto: AMIR COHEN/ REUTERS
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Aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuerte Rakete: Die Hamas warnt Airlines, den Flughafen in Tel Aviv weiter anzufliegen.
Foto: RONEN ZVULUN/ REUTERS
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Polizisten inzpizieren Schäden in einer Synagoge in Tel Aviv: Das Gebäude wurde von einer Rakete aus dem Gazastreifen getroffen.
Foto: Oded Balilty/ AP/dpa
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Abtransport von Trümmerteilen: Die Polizei in Tel Aviv sammelte am Freitag die Überreste einer Rakete ein. Das Geschoss aus dem Gazastreifen war vom israelischen Abwehrsystem zerstört worden.
Foto: STRINGER/ REUTERS
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Zerstörte Tankstelle in der israelischen Stadt Ashdod: Der Raketeneinschlag verursachte eine gigantische Explosion, drei Menschen wurden verletzt.
Foto: DAVID BUIMOVITCH/ AFP
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Zerstörungen in einem Haus in Beer Sheeva: In den israelischen Städten heulen seit Tagen immer wieder die Sirenen.
Hamas-Rakete auf dem Weg nach Israel: In diesem Konflikt fliegen die Geschosse aus dem Gazastreifen noch weiter als sonst. Die Hamas hat in den vergangenen Jahren offenbar aufgerüstet.
Foto: Mohammed Saber/ dpa
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Blick auf den Gazastreifen: Bewohner der Stadt Sderot beobachten den Start von feindlichen Rakten. Viele von ihnen können auch Metropolen wie Tel Aviv erreichen.
Foto: MENAHEM KAHANA/ AFP
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Qualm über Gaza-Stadt: Seit Tagen versucht Israel, die Hamas mit Luftschlägen zu zermürben. Doch die Gegenwehr aus Gaza ist bisher ungebrochen.
Foto: Mohammed Saber/ dpa
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Ein Palästinenser kämpft sich durch die Trümmer eines Hauses in Gaza-Stadt. Durch den Beschuss der vergangenen Tage sind bereits mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen.
Foto: Hatem Moussa/ AP/dpa
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Doch auch in Israel heulen immer wieder die Warnsirenen: Hier filmt ein Junge in Aschkelon seinen Weg aus einem der Luftschutzbunker.
Foto: BAZ RATNER/ REUTERS
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Schnell in Sicherheit: Israelis fliehen wegen eines Raketenalarms in Richtung der Schutzräume in Aschkelon.
Foto: BAZ RATNER/ REUTERS
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Zerstörung in Gaza: Zahlreiche Gebäude liegen nach den Luftangriffen in Trümmern. Mehr als 500 Menschen sind nach palästinensischen Angaben verletzt worden.
Foto: Hatem Moussa/ AP/dpa
Ständige Bedrohung: Reichweite der Hamas-Raketen (Stand Juli 2014)