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30. Oktober 2011, 09:37 Uhr

Israel und Palästinenser

Zehn Tote bei neuer Gewalt in Nahost

Bei Luftangriffen Israels auf den von der Hamas beherrschten Gaza-Streifen und Raketenattacken militanter Palästinenser sind insgesamt zehn Menschen ums Leben gekommen. Ägypten wollte daraufhin eine Waffenruhe vermitteln - doch die Kämpfe gehen weiter.

Gaza-Stadt - Ägypten hat es nicht geschafft, eine Waffenruhe zwischen militanten Palästinensern im Gaza-Streifen und Israel zu vermitteln. Sie sollte eigentlich ab 3 Uhr am Sonntag gelten. Am Samstag waren auf beiden Seiten mindestens zehn Menschen bei Luft- oder Raketenangriffen getötet worden. Doch die Gruppen, die für die Raketenangriffe auf Israel verantwortlich waren, hätten der Waffenruhe nicht zugestimmt, hieß es.

Die israelischen Streitkräfte setzten am Sonntagmorgen ihre Angriffe fort: Sechs Ziele im von der Hamas beherrschten Gaza-Streifen seien attackiert worden, darunter drei Raketenabschuss-Stellungen, teilte eine Armeesprecherin mit.

Israel hatte am Samstag mehrere Luftangriffe im Gaza-Streifen gestartet. Neun Kämpfer militanter Palästinensergruppen wurden dabei getötet und mehrere verletzt. Bei einem ersten Angriff nahe Rafah im Süden kamen fünf Kämpfer der Kuds-Brigaden, dem bewaffneten Arm der Organisation Islamischer Dschihad, ums Leben. Das teilte der Sprecher der Rettungskräfte in Gaza, Adham Abu Selmija, mit.

Nach israelischen Militärangaben griff die Luftwaffe eine "Gruppe von Terroristen" an, die gerade einen Raketenangriff vorbereiteten. Mit dem Angriff habe die Armee "den versuchten Abschuss" jedoch verhindert. Die Männer waren demnach auch für einen Raketenangriff auf die Stadt Aschdod im Süden Israels am Mittwoch verantwortlich.

Bei der Bombardierung weiterer Ziele im Gaza-Streifen wurden nach Angaben von Augenzeugen und palästinensischen Beamten vier weitere Kämpfer getötet und mindestens zwei verletzt. Einem Kuds-Sprecher zufolge wurden mindestens zwei der Kämpfer getötet, als sie versuchten, eine Grad-Rakete nach Israel abzufeuern.

Raketen auf Aschdod und Aschkelon

Am Abend schlugen mehr als 20 Raketen im Süden Israels ein. Sie trafen die Städte Aschdod, Gan Javne und Aschkelon, eine weitere schlug in der Nähe der Stadt Beerscheba ein. Nach Polizeiangaben wurden unter anderem ein Gemeinschaftszentrum und ein Wohnblock getroffen. Ein 56-jähriger Israeli wurde dabei durch eine Grad-Rakete russischen Typs tödlich verletzt. Die meisten Raketen schlugen jedoch offenbar in unbewohnten Gebieten ein.

Israel erhöhte angesichts des Beschusses sein Alarmlevel auf die zweithöchste Stufe. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, die "harte Reaktion der Armee wird, wenn nötig, noch härter sein".

Der Grund für die Ablehnung der Waffenruhe durch die Palästinenser dürfte der Tod eines Kommandeurs des Islamischen Dschihads sein. Er sei einer der wichtigsten Bombenbauer der Organisation gewesen, sagte Abu Ahmed, ein Sprecher der radikalen Gruppe: "Das war heute ein großer Verlust für uns im Islamischen Dschihad", sagte Ahmed. "Die Größe unserer Vergeltung wird der Größere unseres Verlusts entsprechen", drohte er und kündigte weitere Vergeltung an.

Eskalation "sehr beunruhigend"

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman sagte bei einem Besuch in Bosnien, Israel suche keine Konfrontation mit den Palästinensern und wolle die aktuelle Situation nicht noch weiter "eskalieren" lassen. Sein Land könne die palästinensischen Raketenangriffe aber nicht ohne Vergeltungsmaßnahmen "tolerieren", wurde er in der Zeitung "Haaretz" zitiert. Ein Sprecher des Uno-Sonderkoordinators für den Nahen Osten, Robert Serry, rief alle Seiten zu Zurückhaltung auf. Die jüngste Eskalation der Lage sei "sehr beunruhigend".

mik/AFP/dapd

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