Nach Kopfschuss-Urteil Uno verurteilt milde Freiheitsstrafe für israelischen Soldaten
Elor Azaria
Foto: AP APDas Uno-Menschenrechtsbüro hat das milde Urteil gegen einen israelischen Soldat kritisiert, der einen verletzten palästinensischen Attentäter erschossen hatte. Ein Militärgericht in Tel Aviv hatte am Dienstag 18 Monate Haft als Strafmaß gegen den Soldaten Elor Azaria verkündet.
Die Strafe "für eine so schwerwiegende Menschenrechtsverletzung ist inakzeptabel", sagte die Sprecherin des Uno-Hochkommissariats für Menschenrechte, Ravina Shamdasani.
Das Hochkommissariat begrüße, dass der Fall vor Gericht gekommen sei, aber das Strafmaß stehe in keinem Verhältnis zur Tötung eines unbewaffneten Menschen. "Es steht auch im Kontrast zu Urteilen, die andere israelische Gerichte wegen deutlich kleinerer Straftaten verhängt haben, etwa dreijährige Freiheitsstrafen für Kinder, die Steine auf israelische Autos geschmissen haben", sagte Shamdasani.
Premier Netanyahu fordert erneut Begnadigung
Der 21-jährige Palästinenser Abdel Fattah al-Sharif hatte im März im besetzten Westjordanland gemeinsam mit einem Komplizen einen Soldaten mit einem Messer angegriffen und leicht verletzt. Nachdem andere Soldaten auf ihn geschossen hatten, lag er blutend auf der Straße. Sein Komplize war bereits tot.
Gute zehn Minuten nach dem Angriff kam Azaria als Militärsanitäter zum Tatort und tötete den wehrlosen Palästinenser aus der Nähe durch einen Kopfschuss. Nach Auffassung der Richter war von dem schwer verletzt am Boden liegenden Palästinenser keinerlei Gefahr für den Soldaten ausgegangen.
Wegen der Tat hatten dem Soldaten bis zu 20 Jahre Haft gedroht. Mit seinem Urteil blieb das Militärgericht in Tel Aviv allerdings auch weit hinter der Forderung der Staatsanwaltschaft zurück, die zwischen drei und fünf Jahre Gefängnis verlangt hatte.
Der Fall hatte die israelische Öffentlichkeit gespalten. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sprach sich am Donnerstag erneut für eine Begnadigung des Soldaten aus. Menschenrechtsorganisationen hatten das Strafmaß bereits kurz nach der Verkündung als zu milde kritisiert.
Seit dem Start der jüngsten Gewaltwelle im Oktober 2015 wurden mehr als 270 Palästinenser getötet, die meisten von ihnen waren Attentäter. In dem Zeitraum kamen mehr als 40 Israelis bei palästinensischen Attacken ums Leben.