Vermittlerrolle im Nahostkonflikt Israel lässt Gabriel abblitzen

Dämpfer für Außenminister Sigmar Gabriel vor Nahostreise: Seine Vermittlungsversuche im Friedensprozess mit Palästina stoßen auf wenig Gegenliebe - zumindest bei Israel.

Sigmar Gabriel auf dem Weg nach Israel
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Sigmar Gabriel auf dem Weg nach Israel


Der israelische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, ist gegen eine deutsche Vermittlerrolle im Nahostkonflikt zwischen Israel und den Palästinensern. "Wir brauchen keinen Vermittler, wir kennen uns genau", sagte er der Deutschen Presse-Agentur vor der Nahostreise von Außenminister Sigmar Gabriel.

Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas hatte sich bei seinem Berlinbesuch vor einem Monat eine deutsche Vermittlung gewünscht. Derzeit spielen die USA neben den beiden Konfliktparteien die wichtigste Rolle bei der Suche nach einer Lösung im Nahostkonflikt.

Hadas-Handelsman gab den Palästinensern die Schuld daran, dass der Konflikt derzeit so festgefahren ist. "Wenn die internationale Gemeinschaft helfen will, dann sollte sie die Palästinenser zur bedingungslosen Rückkehr an den Verhandlungstisch bewegen", sagte er. "Die denken, dass sie alle Vorteile kassieren können, ohne dass sie dafür zahlen müssen. Es muss aber ein gegenseitiger Prozess sein."

Gabriel favorisiert weiter eine Zweistaatenlösung

Gabriel bricht am Sonntagnachmittag zu einer dreitägigen Nahostreise auf. Seine erste Station ist Jordanien. Am Dienstag wird er in Jerusalem und Ramallah politische Gespräche mit der israelischen und der palästinensischen Regierung führen.

Im Vorfeld seiner Reise betonte Gabriel, er wolle weiter für eine Zweistaatenlösung werben. "Unsere Solidarität mit Israel bedeutet auch, daran zu arbeiten, dass Israel und Palästina friedlich und in Würde nebeneinander leben können. Dies wird nachhaltig nur durch eine Zweistaatenlösung möglich", heißt es in einem Statement. Jüngst hatte die US-Regierung ihr Jahrzehnte währendes Beharren auf einer Zweistaatenlösung aufgegeben.

Es ist Gabriels erste Reise nach Israel nach seiner Ernennung zum Außenminister im Januar. Die Lage in der Region ist angespannt. "Wir müssen die Gespräche über den Nahostfriedensprozess dringend wieder aufnehmen", sagte Gabriels Sprecher Martin Schäfer vor seiner Abreise.



insgesamt 15 Beiträge
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felertoifel 23.04.2017
1. Ehrlich gesagt
bin ich froh, dass Deutschland nicht vermitteln soll / kann. Den Konflikt können nur die Konfliktparteien selbst lösen, und dazwischen kann nur eine neutrale Instanz treten. D fühlt sich einerseits historisch Israel verpflichtet und will andererseits auch den Palästinensern helfen, neutral ist es aber nicht -- es ist positiv in beide Richtungen. das kann nicht gutgehen. Das endet dann meist bloß in Minikompromissen und einigem wirtschaftlichen Entgegenkommen Deutschlands. Davon hat keiner was.
d.b.licht 23.04.2017
2. Ein-Staaten-Lösung
Es wird auf absehbare Zeit keine Zwei-Staaten-Lösung geben (ich denke, überhaupt nie). Es kann nur einen gemeinsamen Staat geben, in dem Israeli und Palästinenser friedlich zusammen leben. Den Weg dahin ebnen viele gemeinsame Aktivitäten von friedliebenden Menschen, wie z.B. das "Divan Orchester" von Daniel Barenboim, in dem Juden und Araber gemeinsam musizieren. Solche Aktivitäten können und sollten wir nach Kräften unterstützen.
Emderfriese 23.04.2017
3. Erfolg
Sollte nicht auch der Führung Israels daran gelegen sein, jeden (wirklich jeden) Versuch einer Vermittlung zwischen den Kontrahenten zu begrüßen? Was vergibt sich Netanjahu, wenn er einen Vermittler Gabriel begrüßt? Nichts. Es sei denn, er hätte Angst davor, dass unser Außenminister Erfolg haben könnte.
stefanmller800 23.04.2017
4. Israel ist an keiner Vermuttlung interessiert
Das haben sie permanent mit ihren Aktionen gezeigt. Die Hamas ist natürlich auch nicht besser, aber die wird immerhin als terrororganisation angesehen
hansulrich47 23.04.2017
5. Nur Wichtigtuerei
Das hätte Gabriel schon gerne, sich als "Vermittler" präsentieren. Dabei sollte es doch im Vorfeld schon ziemlich klar sein, zwischen Israel und den Palästinensern gibt es seit Jahren nichts zu vermitteln. Da stehen sich zwei Parteien gegenüber, die keine Vermittlung wollen. Und einen Gabriel brauchen die nicht mal für eine "Vermittlungsshow".
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