Klagemauer in Jerusalem Wachmann erschießt jüdischen Besucher

Er rief "Allahu akbar" und griff in seine Hosentasche - das wurde einem jüdischen Besucher der Klagemauer in Jerusalem zum Verhängnis: Ein Sicherheitsmann erschoss den 46-Jährigen. Er habe das Opfer für einen muslimischen Terroristen gehalten.

Die Klagemauer in Jerusalem: Für Besucher gesperrt
DPA

Die Klagemauer in Jerusalem: Für Besucher gesperrt


Jerusalem/Hamburg - Das Gebiet um die Klagemauer in Jerusalem gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Besucher werden streng kontrolliert, bewaffnete Wachleute patrouillieren auf dem Vorplatz. Am Freitagmorgen hat dort ein Sicherheitsmann einen 46-jährigen jüdischen Besucher erschossen. Der Israeli habe aus unbekannten Gründen "Allahu akbar" ("Gott ist groß") gerufen, sagte Polizeisprecher Micky Rosenfeld.

Der Satz ist in Israel immer wieder von Selbstmordattentätern gerufen worden, bevor diese sich in die Luft sprengen. Die Wache habe den Mann deshalb für einen muslimischen Extremisten gehalten und mehrere Schüsse auf ihn abgefeuert. Er sei noch von Sanitätern behandelt worden, jedoch an seinen Verletzungen gestorben. Der Sicherheitsmann erklärte anschließend, er habe gedacht, der Mann wolle eine Waffe aus seiner Hosentasche ziehen und ihn damit angreifen. Bei einer Durchsuchung des Opfers wurde jedoch nichts gefunden.

Der Vorfall ereignete sich um 8 Uhr, als sich an der Klagemauer zahlreiche jüdische Gläubige zum Morgengebet versammelten. Die Mauer in der Jerusalemer Altstadt ist einer der heiligsten Orte für Juden und befindet sich in der Nähe des Tempelbergs. Sie wurde nach den Schüssen für Besucher gesperrt.

In der Online-Ausgabe der Zeitung "Jediot Achronot" äußerte sich ein Gläubiger, der regelmäßig an der Klagemauer bete: "Der Mann hat sich immer merkwürdig verhalten. Jeder kennt ihn. Er hat auch einmal behauptet, er sei nun Muslim geworden. Ich denke aber, der Wachmann kannte ihn nicht."

tob/dpa/AFP



insgesamt 41 Beiträge
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spon-facebook-1026482983 21.06.2013
1. optional
Ich denke mal, der Mann wollte einen ganz normalen Selbstmord begehen und hat den Wachmann dazu benutzt.
akmsu74 21.06.2013
2. sehe ich auch so...
Zitat von spon-facebook-1026482983Ich denke mal, der Mann wollte einen ganz normalen Selbstmord begehen und hat den Wachmann dazu benutzt.
...da hätte er sich auch auf die Gleise stellen können und versuchen, einen Zug anzuhalten... Leid tut mir nur der Wachmann - es ist schon schlimm genug, auf so einem Posten stehen zu müssen. Dann auch noch einen (wohl nicht zu vermeidenden) Fehler zu machen ist tragisch. Hoffentlich führt das beim "nächsten Mal" nicht zu einer fatalen Verzögerung. Meiner Meinung nach hat der Wachmann absolut richtig gehandelt und hatte (an dieser Stelle und in dieser Situation) keine Alternative.
Gesellin 21.06.2013
3. Erst erschießen, dann Fragen stellen.
Man sollte eigentlich meinen, dass ein Sicherheitspersonal im Allgemeinen und Polizei aller Grade im Besonderen so ausgebildet sein sollten, dass man die fragwürdige Person nicht gleich erschießt, sondern bspw. in die Schulter oder ins Knie. Wenn man denjenigen gleich durchsiebt kann man dummerweise keine Fragen mehr stellen. In diesem Fall sollte dafür, wenn der Vorgang korrekt geschildert wurde, die Zeit zum Abwägen gewesen sein.
wireless 21.06.2013
4. Absolutes Verständnis
Wer, wie die Israelis das aus jahrzehnte langer "Praxis" kennt, daß sich palästinensische Selbstmordattentäter i.d.R. immer mit "Allahu Akbar" von dieser Welt verabschieden, bevor sie den Sprengstoffgürtel zünden, der wird die Reaktion des Wachmannes nachvollziehen können. Dieser Idiot suchte sich für seinen dämlichen Scherz auch ausgerechnet das größte Heiligtum der Juden aus, an dem sowie so die Nerven blank liegen. Neben den Uniformierten sind dort ständig jede Menge bewaffnete zivile Sicherheitsleute vor ort, weil man sich der besonderen Situation der Klagemauer bewußt ist.
hk1963 21.06.2013
5.
Zitat von GesellinMan sollte eigentlich meinen, dass ein Sicherheitspersonal im Allgemeinen und Polizei aller Grade im Besonderen so ausgebildet sein sollten, dass man die fragwürdige Person nicht gleich erschießt, sondern bspw. in die Schulter oder ins Knie. Wenn man denjenigen gleich durchsiebt kann man dummerweise keine Fragen mehr stellen. In diesem Fall sollte dafür, wenn der Vorgang korrekt geschildert wurde, die Zeit zum Abwägen gewesen sein.
Na ja... Wenn man in einem Land ist, wo sich immer mal wieder Leute selbst in die Luft sprengen ist ein Schuß in die Schulter oder ins Knie vielleicht nicht die beste Maßnahme...
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