Israel Warten auf den Gegenschlag

Wegen der jüngsten Terroranschläge, bei denen insgesamt 26 Israelis ums Leben kamen, hat Ariel Scharon seinen USA-Besuch vorzeitig abgebrochen. Jetzt schaut die ganze Welt auf ihn: Wie wird der als Hardliner bekannte israelische Premier auf den Terror antworten? Heute soll die Entscheidung fallen.


Verließ die USA vorzeitig: Israels Premier Scharon
AP

Verließ die USA vorzeitig: Israels Premier Scharon

Washington - Nach einem Treffen Scharons mit US-Präsident George W. Bush in Washington verlautete am Sonntag aus dem Umfeld des Premiers, das Kabinett werde "Entscheidungen über einen Krieg gegen den Terrorismus" treffen.

Wegen der Anschläge am Wochenende hatte Scharon sein Treffen mit Präsident Bush vorgezogen. Scharon verließ das Weiße Haus nach dem rund einstündigen Gespräch wortlos. Ein israelischer Regierungsvertreter sagte nach dem Treffen, Scharon habe seine Auffassung deutlich gemacht, dass Israel sowohl gegen diejenigen vorgehen werde, die Terror verbreiteten, als auch gegen jene, die den Selbstmord-Attentätern ihre Aufträge erteilten. Scharon habe Bush jedoch keine Details über das weitere Vorgehen genannt. US-Außenminister Colin Powell hatte zuvor im Sender CBS erklärt, die USA würden Israel bei den zu treffenden Entscheidungen nicht hineinreden.

Die USA hatten nach den jüngsten Anschlägen in Frage gestellt, dass Arafat noch Herr der Lage sei. "Ich sehe nicht, dass Arafat die Situation unter Kontrolle hat", sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in einem Fernsehinterview. Wer für Frieden im Nahen Osten sei, müsse nun aktiv werden und den Terrorismus bekämpfen, sagte auch Bush. Arafat müsse nun durch Taten und nicht allein durch Worte beweisen, dass er den Terror bekämpfen wolle.

Die USA hatten erst vor kurzem eine neue Vermittlungsinitiative gestartet, um ein Ende der Gewalt in Nahost zu erreichen. Als Torpedierung dieser Bemühungen bewertete am Abend Uno-Generalsekretär Kofi Annan die Anschläge. Diese Morde an unschuldigen Zivilisten könnten durch nichts gerechtfertigt werden, sagte Annan.

Ausnahmezustand in den Autonomiegebieten

Die Palästinenser-Regierung rief nach den Anschlägen den Ausnahmezustand in ihren Gebieten aus. Die Sicherheitskräfte erhielten damit erweiterte Befugnisse, um gegen militante Palästinenser vorzugehen. Aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlaute, bei den beiden festgenommenen militanten Hamas-Mitgliedern handele es sich um den Funktionär Ismail Abu Schannab und Ismail Hanijah, den Bürochef des geistlichen Oberhaupts der Hamas, Scheich Jassin. Die Festnahmeaktionen, die auch auf Mitglieder der radikalen Gruppe Islamischer Dschihad zielten, seien bereits nach den Selbstmordanschlägen angelaufen. Haftbefehle seien auch gegen zwei weitere hochrangige Mitglieder der Hamas ausgestellt worden.

Bei einem Schusswechsel in der Nähe der von israelischen Truppen umstellten Stadt Dschenin im Westjordanland erschossen israelische Fallschirmjäger nach Angaben der Armee am Sonntagabend vier bewaffnete Palästinenser. Nach Berichten über drohende Anschläge hatte die israelische Armee am Samstag die Belagerungsringe um Dschenin und zwei weitere Städte der Palästinenser enger gezogen. Am Sonntag wurden als Reaktion auf die jüngsten Selbstmord-Attentate weitere Städte im Westjordanland von israelischen Armee-Einheiten umstellt.

In Haifa hatte ein Selbstmordattentäter am Sonntag seine Bombe in einem Überlandbus gezündet. 15 Menschen kamen ums Leben. Dutzende wurden verletzt. Am Vorabend waren in Jerusalem von zwei Selbstmordattentätern zehn Menschen getötet worden. Mindestens 150 Menschen wurden verletzt, 17 davon schwer. Ein weiterer Israeli wurde im Gaza-Streifen ermordet.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.