Operation "Anarchist" Westliche Geheimdienste zapften israelische Drohnen an

Die USA und Großbritannien haben nach SPIEGEL-Informationen jahrelang Daten israelischer Drohnen abgefangen. Sie spionierten Geheimmissionen über Iran, Gaza und Syrien aus.
Operation "Anarchist": Auch israelische "Heron TP"-Drohnen waren Spionageziel

Operation "Anarchist": Auch israelische "Heron TP"-Drohnen waren Spionageziel

Foto: AFP

Der britische Geheimdienst GCHQ und die amerikanische NSA haben jahrelang mit großem technischen Aufwand Daten und Bilder israelischer Militärdrohnen abgefangen. Durch die Spionageaktion konnten die Dienste geheime Operationen der israelischen Armee im Gazastreifen, aber auch über Iran und Syrien verfolgen.

Die geheime Operation belegt ein tiefgreifendes Misstrauen gegenüber Israel, die Enthüllung des Programms dürfte das angespannte Verhältnis zwischen Washington und Tel Aviv weiter beschädigen.

Streng geheime Dokumente aus dem Bestand des Whistleblowers Edward Snowden, ausgewertet vom SPIEGEL, der Enthüllungsplattform "The Intercept" und der israelischen Zeitung "Jedioth Achronoth", schildern die Operation "Anarchist".

Angriff auf Drohnen von Zypern aus

Von einer Abhörstation auf der Insel Zypern fingen die Geheimdienste zunächst die per Satellitenlink verschickten Daten von verschiedenen Drohnen Israels ab, nach Entschlüsselung der Dateien konnten die Kamerabilder der unbemannten Flieger ausgewertet werten.

Da es Briten und Amerikanern auch gelang, Daten der israelischen Drohne "Heron TP" auszuwerten, hat die Enthüllung Konsequenzen für die Bundeswehr. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte kürzlich entschieden, für Auslandseinsätze bis zu fünf Exemplare der bewaffnungsfähigen Drohne "Heron TP" in Israel anzumieten. Die Drohnen sollen die Zeit bis zum Einsatz der sogenannten Eurodrohne überbrücken, die Deutschland derzeit mit mehreren anderen EU-Staaten entwickelt.

Geleaste Drohnen der Bundeswehr sollen sicher sein

Das Verteidigungsministerium betonte, dass man mögliche Lücken bei der Datensicherheit der "Heron TP"-Drohnen für die Bundeswehr beheben werde. "Das System 'Heron TP', das als Überbrückungslösung bis zur Eurodrohne genutzt werden soll, wird nicht deckungsgleich mit dem jetzigen israelischen System sein", hieß es im Ministerium. Demnach werde speziell die Verschlüsselung des Datenversands von der Drohne zum Boden "für den deutschen Bedarf angepasst".

Schon jetzt wünschen sich die Militärs vor allem für den kommenden Mali-Einsatz der Bundeswehr den Einsatz von Drohnen wie der "Heron", die Bilder wären für die Luftaufklärung im Rahmen der Uno-Mission sehr hilfreich. Im Ministerium wird deswegen intensiv geprüft, ob man eine Aufklärungsversion der "Heron" bis Herbst 2016 nach Mali entsenden kann, hieß es am Dienstag.

geb