Israel Wieder Militäroperationen gegen Palästinenser

Israelische Truppen führen seit dem späten Freitagabend neue Militäroperation im Westjordanland durch.


Zunächst waren israelische Soldaten nach ihrem Einmarsch in Nablus auch in die Stadt Tulkarm eingerückt. Außerdem postierten sich drei israelische Panzer fünf Truppentransporter rund um das Flüchtlingscamp Deheisheh in Bethlehem in der West Bank. Ziel der Aktionen sei, potenzielle palästinensische Selbstmord-Attentäter zu ergreifen, bevor diese ihre Taten ausführen könnten, sagte ein Armeesprecher.

Palästinenser-Präsident Jassir Arafat warf dagegen Israel vor, mit den Militäreinsätzen das palästinensische Volk in die Knie zwingen zu wollen.

In israelischen Militärkreisen verlautete, bei der Operation in Bethlehem handele es sich um eine Patrouille, wie sie routinemäßig nach einer Bombenwarnung erfolge. Mindestens drei Selbstmord-Attentäter der letzten Zeit stammen angeblich aus dem rund zehn Kilometer südlich von Jerusalem liegenden Lager.

Zuvor nahmen israelische Soldaten bei Razzien seit dem frühen Freitagmorgen im palästinensischen Flüchtlingslager Balata nahe der Stadt Nablus im Westjordanland etwa 100 Palästinenser fest. Darunter seien acht gesuchte militante Palästinenser gewesen, hieß es in israelischen Medienberichten. Das Flüchtlingslager gilt als Hochburg der Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden, die sich zu zahlreichen Anschläge in Israel bekannt haben. Die Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden sind eine Splittergruppe der Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Jassir Arafat.

Fischer vermittelt weiter

Bundesaußenminister Joschka Fischer warnte unterdessen in Jerusalem davor, die geplante internationale Nahost-Konferenz über den Juli hinaus aufzuschieben. Kurz vor seiner Abreise nach Ägypten traf er Freitagabend den außenpolitischen Koordinator der Europäischen Union (EU), Javier Solana, der von Samstag an Gespräche mit den Konfliktparteien führen will. Solana sagte, auch er hoffe, die Konferenz könne vor August stattfinden. Medienberichten zufolge gibt es in der US-Regierung Überlegungen, die Konferenz, deren Details noch offen sind, erst für September anzusetzen.

Außer Fischer ist seit Tagen der US-Sonderbeauftragte William Burns in der Region, der sich am Freitag mit Israels Ministerpräsident Ariel Scharon traf. Dessen Büro teilte anschließend mit, Scharon habe in dem Gespräch darauf bestanden, dass vor Fortschritten im Friedensprozess ein Ende der Gewalt und Reformen innerhalb der Palästinenser-Behörde erreicht sein müssten.

Die radikalen Organisationen Hamas und Islamischer Dschihad teilten mit, sie seien nicht bereit, in ein reformiertes Kabinett von Arafat einzutreten. Ein entsprechendes Angebot sei ihnen bei Gesprächen mit Arafats Fatah-Bewegung gemacht worden. Vertreter der Organisationen sagten der Nachrichtenagentur Reuters, sie hätten bereits früher grundsätzlich jede Funktion in einem Kabinett ausgeschlossen, das eine Verhandlungslösung mit Israel anstrebe.



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