Nahostkonflikt Israel plant neues jüdisches Viertel auf Markt in Hebron

Die israelische Regierung will die Zahl der Siedler in der Stadt Hebron im Westjordanland verdoppeln. Der alte Großmarkt soll ein jüdisches Viertel werden. Eine Friedensorganisation warnt vor dem Schritt.

Israelische Flaggen in der Shuhada Street in Hebron, wo früher der Markt war
AFP/ Menahem Kahana

Israelische Flaggen in der Shuhada Street in Hebron, wo früher der Markt war


Seit 1998 ist Hebron zweigeteilt: Einen Teil kontrolliert die Palästinensische Autonomiebehörde, den anderen Israel. Mitten in der Stadt mit rund 210.000 Palästinensern leben rund 800 israelische Siedler. Wegen der Präsenz von Siedlern und Soldaten mussten Palästinenser im Stadtzentrum Geschäfte und Wohnungen aufgeben.

Nun will die israelische Regierung ihre Siedlungen dort noch weiter ausbauen: Inmitten der geteilten Stadt soll ein neues jüdisches Viertel entstehen. Verteidigungsminister Naftali Bennett verkündete Baupläne für das Gelände auf einem seit 1994 geschlossenen palästinensischen Großmarkt.

Laut Bennetts Plan sollen die Gebäude auf dem Markt abgerissen und neu aufgebaut werden. Die palästinensischen Geschäfte im Erdgeschoss sollten aber bestehen bleiben und die Rechte der Besitzer nicht beeinträchtigt werden, heißt es in der Mitteilung.

Das neue Viertel solle eine territoriale Verbindung zwischen dem jüdischen Viertel Avraham Avinu und den Patriarchengräbern in Hebron schaffen sowie die Zahl der israelischen Siedler in der Stadt verdoppeln. Bis zu einem Massaker durch eine arabischen Menge an 67 Juden in Hebron 1929 sei der Markt in jüdischem Besitz gewesen.

Die Patriarchengräber sind für Juden, Christen und Muslime heilig - und heute auf eine Moschee und eine Synagoge aufgeteilt.

Die israelischen Behörden hatten den palästinensischen Großmarkt, Ort ständiger Konfrontationen israelischer Siedler mit der palästinensischen Bevölkerungsmehrheit, nach dem Goldstein-Massaker im Februar 1994 geschlossen. Der extremistische Siedler Baruch Goldstein hatte im Patriarchengrab 29 betende Muslime erschossen.

Die israelische Friedensorganisation Peace Now kritisierte die Entscheidung. Ein neues jüdisches Viertel in Hebron werde Israel "moralisch, sicherheitspolitisch und juristisch schweren Schaden zufügen", sagte Sprecherin Chagit Ofran.

Neben dem Status der geteilten Stadt Jerusalem und dem Schicksal palästinensischer Flüchtlinge werden die Siedlungen als ein Hindernis für eine Zweistaatenlösung gesehen, bei der neben Israel ein unabhängiger Staat Palästina entstehen soll. Die Vereinten Nationen forderten zuletzt im Dezember 2016 mit einer Resolution den sofortigen Stopp des Siedlungsausbaus.

Mehr Details zu den israelischen Siedlungen im Westjordanland finden Sie hier.

vks/dpa

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