Israel "Wir sind im Krieg"

Israels Ministerpräsident Ariel Scharon schließt nach den jüngsten Anschlägen offenbar eine Ausweisung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat nicht mehr aus. Die radikale Hamas drohte unterdessen mit weiteren Attacken.


Kontrolle: Ein israelischer Soldat schubst einen palästinensischen Jungen
REUTERS

Kontrolle: Ein israelischer Soldat schubst einen palästinensischen Jungen

Jerusalem - Mehrere Kabinettsmitglieder hatten bereits am Sonntag die Ausweisung Arafats gefordert. Scharon erwäge diesen Vorschlag, hieß es am Montag aus seiner Umgebung. Nach seiner Rückkehr aus den USA leitete Scharon eine Sondersitzung des Sicherheitskabinetts, um über eine Reaktion auf die Anschläge vom Wochenende zu beraten, bei denen es 26 Tote gegeben hatte.

"Wir sind im Krieg", titelte die israelische Tageszeitung "Jediot Acharonot". Arafat müsse einen persönlichen Preis zahlen, wurde im Leitartikel der Zeitung "Maariv" gefordert. Einer Umfrage zufolge sind 37 Prozent der Israelis für einen Sturz Arafats, 32 Prozent sprachen sich für beschleunigte Friedensverhandlungen aus.

Die israelischen Sicherheitskräfte befinden sich in höchstem Alarmzustand. Die Armee verstärkte die Blockade von Städten im Westjordanland. In der Nacht zum Montag wurden bei verschiedenen Zwischenfällen zwei Palästinenser getötet.

Die radikale Hamas, die sich zu den Selbstmordanschlägen vom Wochenende bekannt hatte, kündigte weitere Angriffe an. "Widerstand und Heiliger Krieg werden nicht aufhören", skandierten in Gaza etwa 1000 Aktivisten.

Zuvor hatte die palästinensische Autonomiebehörde den Ausnahmezustand ausgerufen und Massenfestnahmen angeordnet. Unter den 110 Verhafteten sind zahlreiche Mitglieder der Hamas und des Islamischen Dschihads, unter anderem die Hamas-Führer Ismael Abu Schanab und Ismael Hanija.

Der geistliche Führer der Hamas, Scheich Ahmed Jassin, wurde nach Angaben aus Sicherheitskreisen unter Hausarrest gestellt. Zudem soll ihm untersagt worden sein, Kontakt zu Reportern aufzunehmen. Jassins Familie erklärte jedoch, man wisse nichts von derartigen Maßnahmen. In Nablus verhinderte die palästinensische Polizei einen Marsch von Hamas-Anhängern, die des 21-jährigen Selbstmordattentäters von Haifa gedenken wollten.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.