Jerusalem Täter und Opfer sterben bei Attentat mit Bagger

Die Polizei geht von "terroristischen Motiven" aus: In Jerusalem hat ein Baggerfahrer einen jungen Mann überrollt. Die islamistische Hamas feierte den Anschlag als "heroischen Akt". Wenig später ereignete sich ein weiterer Anschlag nahe der Universität.

REUTERS

Jerusalem - Erstmals seit Beginn des Gaza-Kriegs ist in Israel ein tödlicher Anschlag aus Protest gegen die israelische Militäroffensive verübt worden. Bei einer Amokfahrt hat ein mutmaßlicher Attentäter in Jerusalem einen Israeli getötet und fünf weitere verletzt. Der Mann fuhr einen Bagger, mit dem er einen Omnibus rammte und umstieß, teilte ein Sprecher der Polizei mit. Zwei Sicherheitskräfte hätten den Baggerfahrer daraufhin erschossen, hieß es.

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Heft 32/2014
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Die Polizei ging nach ersten Erkenntnissen von einem Anschlag mit "terroristischen Motiven" aus. Demnach handelte es sich bei dem Baggerfahrer um einen Palästinenser aus Ost-Jerusalem.

"Ein 25-jähriger Mann wurde von dem Bagger überfahren und getötet, der Busfahrer wurde leicht verletzt", sagte ein Sprecher der städtischen Rettungsdienste. Zudem hätten vier weitere Menschen Verletzungen erlitten.

Die Hamas feiert das Attentat als "heroischen Akt"

Die islamistische Hamas feierte den Anschlag als "heroischen Akt". Ein Sprecher der Organisation sagte: "Dies war die natürliche Reaktion auf die Verbrechen der Besatzungsmacht gegen unsere Zivilisten". Mit der Bezeichnung "Besatzungsmacht" spielte der Sprecher auf Israel an, das den Gaza-Streifen kontrolliert.

Der Zwischenfall ereignete sich auf der Straße, die bis 1967 die Grenze zwischen West- und Ost-Jerusalem bildete. In der Nähe liegen große Hotels wie das American Colony und das Ambassador.

In der Stadt hatte es in der Vergangenheit schon mehrmals ähnliche Anschläge mit Radladern gegeben, etwa im Juli 2008. Damals waren drei Israelis getötet worden. Auch im März 2009 kam es zu einer solchen Amokfahrt, bei der zwei Polizisten verletzt und der Fahrer erschossen wurden.

Ein zweiter Anschlag ereignete sich nahe der Universität in Jerusalem. Wenige Stunden nach dem Bagger-Attentat feuerte ein Mann auf einen Soldaten und verwundete ihn in der Magengegend. Laut Polizeiangaben sprang der Attentäter daraufhin auf ein wartendes Motorrad und fuhr davon.

"Wir gehen stark von einer terroristischen Attacke aus", sagte ein Sprecher der Polizei dem israelischen Fernsehsender Channel Two. Weitere Angaben zu dem Vorfall gab es zunächst nicht.

Wegen der israelischen Militäroffensive im Gaza-Streifen ist die Lage in Israel und den Palästinensergebieten derzeit sehr angespannt. Täglich kommt es zu Solidaritätsdemonstrationen für Gaza, zugleich protestieren israelische Ultranationalisten gegen die islamistische Hamas.

kes/AFP/dpa

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