Antisemitische Graffiti in Jad Vaschem Verdächtiger vor Gericht

"Hitler, danke für den Holocaust": Mit dieser Parole war die Gedenkstätte Jad Vaschem geschändet worden. Jetzt muss sich deshalb ein ultraorthodoxer Jude vor Gericht verantworten, drei weitere Verdächtige stehen unter Hausarrest.

AFP

Jerusalem/Tel Aviv - Mitte Juni hatten Unbekannte mehrere Graffiti an die Wände der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem geschmiert. Wegen der Schändung der Stätte muss sich jetzt ein strengreligiöser Israeli vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft habe Anklage eingereicht, meldeten israelische Medien laut Nachrichtenagentur dpa am Dienstag.

Im Polizeiverhör habe der Mann gesagt, auch Anschläge auf das Parlament und das Höchste Gericht geplant zu haben. Drei weitere Verdächtige stünden unter Hausarrest. Die Schmierereien in der Gedenkstätte Jad Vaschem waren am 11. Juni entdeckt worden, sie hatten große Empörung in Israel ausgelöst. Sie lauteten unter anderem: "Hitler, danke für den Holocaust" und "Die Zionisten wollten den Holocaust".

Jad Vaschem ("Denkmal und Name") in Jerusalem ist die größte Holocaust-Gedenkstätte der Welt. Sie wurde 1953 auf Beschluss des israelischen Parlaments gegründet. Hier sind die Namen von knapp vier Millionen der sechs Millionen ermordeten Juden dokumentiert. Bundespräsident Joachim Gauck besuchte die Gedenkstätte während seiner Israel-Reise Ende Mai.

"Danke Hitler, nur dir haben wir unseren Staat zu verdanken"

Ende Juni hatte die israelische Polizei drei ultraorthodoxe Juden festgenommen, die sich im Verhör zu der Tat bekannten. Wie Polizeisprecher Micky Rosenfeld damals sagte, handelt es sich um drei Männer, die auch weitere derartige Taten zugaben.

Es gibt verschieden Strömungen strengreligiöser Juden, die den modernen Staat Israel als Gotteslästerung ablehnen. Die drei Festgenommenen gehören laut Rosenfeld der Gruppierung Neturei Karta an, die ähnlich wie andere ultraorthodoxe Gruppen die Gründung eines jüdischen Staates erst nach einer Wiederkehr des Messias für zulässig hält.

"Danke Hitler für die wunderbare Schoah, nur dir haben wir es zu verdanken, dass wir von der Uno einen Staat bekommen haben", hieß es in einem der Sprüche mit sarkastischem Bezug auf die Staatsgründung Israels im Jahr 1948.

Ähnliche Sprüche sprühten die Festgenommenen nach ihrem eigenen Eingeständnis in den vergangenen Monaten auf einen früheren jordanischen Militärposten, der in ein israelisches Museum umgewandelt wurde, und an eine Gedenkstätte für gefallene israelische Soldaten und Polizisten im Jordantal.

bos/dpa/AFP



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