Israelische Invasion Mehrere hundert Tote in Dschenin

Die israelische Armee hat eingeräumt, bei ihrer Militäroffensive in Dschenin Hunderte Palästinenser getötet zu haben. Die USA meinen es unterdessen ernst: US-Außenminister Powell hat nach seiner Ankunft in Nahost erklärt, er wolle die Kriegsparteien nachdringlich dazu bewegen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Tel Aviv - Ein Sprecher der israelischen Armee gab zunächst im Armeehörfunk zu, dass Hunderte Palästinenser im Flüchtlingslager Dschenin getötet worden seien. Später wurden die Angaben relativiert, es sei von Hunderten Toten und Verletzten die Rede gewesen.

Die Palästinenser-Regierung hatte am Vortag die Uno aufgefordert, den Vorstoß der israelischen Armee in das Flüchtlingslager Dschenin zu untersuchen, wo die Soldaten ein "Massaker" an den Bewohnern angerichtet hätten. Armee-Sprecher Ron Kitrey wies den Vorwurf zurück. Es habe sich um kein Massaker gehandelt, die Menschen seien bei Kämpfen ums Leben gekommen.

Nach palästinensischen Angaben töteten israelische Soldaten bei dem Vorstoß im Westjordanland in den vergangenen 13 Tagen 500 Palästinenser. Die israelische Armee hatte bislang erklärt, bei den Kämpfen seien rund hundert militante Palästinenser getötet worden.

Die Kämpfe hatten Armeeangaben zufolge am Dienstag mit der Kapitulation der letzten 36 palästinensischen Kämpfer geendet. Bei den Gefechten in Dschenin wurden nach Armeeangaben 22 israelische Soldaten getötet, darunter 13 bei einem Hinterhalt am Dienstag.

Dschenin ist wie andere Gebiete im Westjordanland von der Armee zur militärischen Sperrzone erklärt worden.

Powell und Scharon auf Konfrontationskurs

US-Außenminister Colin Powell traf am Morgen mit Israels Regierungschef Ariel Scharon zusammen. Nach Informationen israelischer Medien befinden sich Powell und Scharon derzeit auf "Kollisionskurs". Näheres wurde nicht bekannt.

Im Anschluss an ihre Unterredung wollen beide eine gemeinsame Pressekonferenz in Jerusalem geben. Für Samstag ist ein Gespräch Powells mit Palästinenserpräsident Jassir Arafat geplant.

Die USA wollten sich "aggressiv" auf die Wiederaufnahme politischer Verhandlungen zu bewegen, hatte Powell vor den Gesprächen mit Scharon erklärt. Auf diese Weise solle wieder Sicherheit in die Region einkehren.

Nach den Vorstellungen des US-Außenministers muss der politische Prozess in Richtung des Mitchell-Friedensplanes beschleunigt werden. Das palästinensische Volk müsse wissen, dass es auf einen eigenen Staat an der Seite Israels hoffen könne.

Der US-Außenminister wird voraussichtlich einen Zweistufen-Plan vorlegen. Dieser sieht nach Medienberichten zunächst einen Waffenstillstand zwischen den Konfliktpartnern vor. Erst dann sollen beide Seiten Verhandlungen aufnehmen. Diese führen nach dem Willen der US-Regierung schließlich zur Bildung eines palästinensischen Staates.

Tote im Gaza-Streifen

Bei einem Schusswechsel an einem Grenzposten im Norden des Gaza-Streifens sind am Freitagmorgen drei Palästinenser getötet worden. Zwei Palästinenser hatten das Feuer auf israelische Soldaten und palästinensische Arbeiter eröffnet. Dabei sei ein Palästinenser getötet worden, fünf Palästinenser und vier Israelis hätten Verletzungen erlitten, berichtete der israelische Rundfunk. Die Soldaten hätten die beiden Schützen anschließend erschossen.

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