Westjordanland Polizei räumt von Siedlern besetztes Haus

Nach tagelangem Streit haben israelische Polizisten ein von jüdischen Siedlern besetztes Haus in Hebron geräumt. Die Aktion kam überraschend. Verteidigungsminister Barak setzte sich damit auch gegen konservative Kritiker im Kabinett durch.

Räumung in Hebron: Überraschende Aktion
AFP

Räumung in Hebron: Überraschende Aktion


Jerusalem/Hebron - Israelische Polizeieinheiten haben am Mittwoch ein vor einer Woche von jüdischen Siedlern in Hebron im Westjordanland besetztes Haus geräumt. Das bestätigte der israelische Polizeisprecher Mickey Rosenfeld. Die 15 Männer, Frauen und Kinder hätten keinen Widerstand geleistet. Eigentlich hätten die Hausbesetzer schon bis zum Nachmittag des Vortages nachweisen sollen, dass sie wie behauptet rechtmäßige Eigentümer des Gebäudes sind. Der Termin, den Verteidigungsminister Ehud Barak gesetzt hatte, verstrich jedoch.

Bei einer Kabinettssitzung hatten Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der für das Westjordanland zuständige Barak anschließend Presseberichten zufolge vereinbart, das Gebäude bis zum 25. April räumen zu lassen, wenn die Siedler nicht nachweisen könnten, das Eigentum legal erworben zu haben. Nun kam es schon drei Wochen früher dazu. Mehrere Kabinettsmitglieder hatten die Besetzer demonstrativ besucht und sich gegen eine Räumung ausgesprochen. "Juden haben das Recht, überall zu siedeln, vor allem in Hebron", sagte Transportminister Israel Katz von Netanjahus Likud-Partei. Barak solle die Zuständigkeit für das besetzte Westjordanland entzogen werden.

Bei früheren Räumungsaktionen gegen jüdische Siedler in Hebron hatte es Ausschreitungen von militanten Israelis gegen Palästinenser gegeben. In der Stadt etwa 30 Kilometer südlich von Jerusalem leben rund 170.000 Palästinenser. Im Zentrum der Altstadt gibt es jedoch etwa 800 jüdische Siedler, die rund um die Uhr von israelischem Militär und der Polizei geschützt werden müssen. Die Siedler kommen aus nationalreligiösen Kreisen. Sie wollen unbedingt dort leben, weil Hebron für Juden nach Jerusalem die heiligste Stadt ist.

Für die palästinensische Mehrheitsbevölkerung bringt die Anwesenheit der Siedler und Sicherheitskräfte schwere Beeinträchtigungen ihrer Bewegungsfreiheit in der Stadt und andere Nachteile mit sich.

ler/dpa/dapd



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