Israelischer Bombenhagel Tote und Verletzte im Gaza-Streifen

Israels Armee, die Marine und die Luftwaffe haben mehrere Stunden lang massiv Ziele im Gaza-Streifen angegriffen. Ins Visier nahm das Militär Einrichtungen der palästinensischen Eliteeinheit "Force 17" von Präsident Arafat.


Nächtlicher Bombenhagel: Zerstörte palästinensische Polizeistation
AP

Nächtlicher Bombenhagel: Zerstörte palästinensische Polizeistation

Gaza/Jerusalem - Bei dem schwersten Angriff der israelischen Armee im Gaza-Streifen seit Beginn der Unruhen vor fast sieben Monaten wurden am Montagabend ein palästinensischer Polizist getötet und mindestens 20 Menschen verletzt. Am Dienstagmorgen erschossen israelische Soldaten in Tulkarem im Westjordanland einen 19-jährigen Palästinenser, der zuvor offenbar auf einen Soldaten eingestochen hatte.

Israelische Kampfhubschrauber, Panzer und Schnellboote hatten am Montagabend autonomes Gebiet im Gaza-Streifen mit Raketen beschossen. Mindestens 16 Gebäude in der Stadt Gaza und im Flüchtlingslager Dir El-Balach im Süden des Gaza-Streifens wurden angegriffen, meist Einrichtungen der palästinensischen Eliteeinheit "Force 17". Israelische Panzer teilten den Gaza-Streifen in drei Teile und blockierten zentrale Verbindungsstraßen. Israelische Soldaten nahmen nach Medienberichten zudem "strategische Stützpunkte" im autonomen Gebiet im Gaza-Streifen ein. Von israelischer Seite hieß es jeoch, man habe nicht die Absicht, den Gaza-Streifen zurückzuerobern.

Mit den Angriffen übte Israel Vergeltung für den Beschuss der süd-israelischen Stadt Sederot am Montagabend. Palästinensische Rebellen hatten bei Anbruch der Dämmerung mehrere Mörsergranaten auf die Stadt nahe der Grenze zum Gaza-Streifen abgefeuert.

Scharfe Kritik von Kofi Annan

Unterdessen hat Uno-Generalsekretär den israelischen Angriff auf eine syrische Radarstation im Libanon scharf kritisiert. Die Bombardierung sei eine "klare Verletzung" von Resolutionen des Weltsicherheitsrates, erklärte Kofi Annan am Montagabend in New York. Der Uno-Generalsekretär habe telefonisch mit Regierungen der Nahost-Region die Eskalation des Konfliktes erörtert, erklärte Annans Sprecher Fred Eckhard. Annan werde diese Kontakte in der Nacht sowie am Dienstag von New York aus fortsetzen. Er plädiere für die möglichst rasche Wiederaufnahme politischer Verhandlungen, um eine gefährliche Ausweitung des Konflikts zu verhindern.

Weltweite Sorge

Der israelische Angriff auf die syrische Stellung hatte zuvor bereits weltweit die Sorge über eine Ausweitung des Konflikts wachsen lassen. In Berlin äußerte sich Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) "außerordentlich besorgt" und forderte ein Ende des Blutvergießens. "Die Bundesregierung appelliert dringend an alle Beteiligten, von weiteren militärischen Aktionen abzusehen", fasste Fischer die Reaktion der Bundesregierung zum Hisbollah- Angriff und dem israelischen Luftschlag zusammen. Auch Frankreich äußerte "große Besorgnis" und rief die Beteiligten auf, die Gewalt zu beenden. Das Außenministerium in Paris warnte vor der "Gefahr eskalierender militärischer Aktionen". Der ägyptische Außenminister Amre Mussa sprach von einem israelischen "Angriff auf einen souveränen Staat".



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