Israels Ex-Botschafter Primor "Es muss endlich Frieden geben"

Wohlstand, Bildung, Demokratie - viel hat der Staat Israel erreicht. Die größte Herausforderung steht dem Land aber noch bevor: Frieden mit den Nachbarn. Ohne ihn ist das Ziel der Staatsgründer nicht zu erreichen, schreibt Avi Primor, Israels ehemaliger Botschafter in Deutschland.


Tel Aviv - Vor 60 Jahren rief Ben Gurion die Unabhängigkeit des Staates Israel aus. Damals gab es sehr viel Widerstand innerhalb der Führung der jüdischen Gemeinschaft. Viele Bürger und noch mehr Spitzenpolitiker waren der Meinung, der Staat Israel könne nicht entstehen, weil die arabischen Staaten ihn angreifen würden. Das würde das Ende des zionistischen Experiments bedeuten.

Feiernde Israeli: Das Hauptproblem bleibt die Vergangenheit
AP

Feiernde Israeli: Das Hauptproblem bleibt die Vergangenheit

Ben Gurion setzte sich durch, und tatsächlich begann sofort eine Invasion von allen Nachbarstaaten. Sie wollten den Staat Israel im Keim ersticken. Dennoch hat Ben Gurion Recht gehabt: Der Krieg - der blutigste in der Geschichte des Staates Israel - ging zu Ende, ohne dass die Nachbarn ihr Ziel erreichen konnten.

Es gab in Israel eigentlich nie Einstimmigkeit über die Richtung des Staats. Zu Beginn gab es einen sozialistischen Idealismus, eine geplante Wirtschaft, die nicht an private Initiative glaubte. Zuwanderer aus dem Westen waren damit unzufrieden. Die Theorie hat sich aber als richtig erwiesen. Es gab nicht nur viel mehr Gerechtigkeit und Gleichheit in der Bevölkerung. Das Land hat sich tatsächlich auch entwickelt, zunächst die Landwirtschaft und dann auch die Industrie.

Mit der Zeit haben sich viele Dinge geändert: Was in den Anfangsjahren richtig war, passte später nicht mehr.

Heute gibt es einen Staat, der auf Kapitalismus beruht, auf Privatinitiative. Es gibt eine westliche Gesellschaft, die große Fortschritte erzielen kann und erzielt hat, aber die auch sehr viel Ungerechtigkeit mit sich bringt. Für manchen gibt es Grund zur Zufriedenheit, für andere Grund zur Reue.

Zufriedenheit gibt es über die Entwicklung des Landes. Der Traum der Väter des Zionismus war ein Land für die Juden, ein Land, in dem die meisten Juden der Welt leben sollten. Dieser Traum ist in Erfüllung gegangen. Die Bevölkerung Israels hat sich seit dem Ausruf der Unabhängigkeit verzehnfacht, von 650.000 auf mehr als sieben Millionen Menschen.

Von der Stunde null an musste Israel sich verteidigen

Zufriedenheit auch, weil der Wohlstand gestiegen ist. 1949 betrug das Bruttosozialprodukt Israels jährlich eine Milliarde im Wert des heutigen US-Dollars, das waren durchschnittlich etwa 2000 Dollar pro Kopf. Heute erreicht das Bruttosozialprodukt 200 Milliarden Dollar, also 200-mal so viel. Pro Kopf sind es etwa 25.000 Dollar jährlich.

Zufriedenheit zudem, weil sich die Wissenschaft im Land gut entwickelt. 1949 gab es in Israel 1000 Studenten an zwei kleinen Universitäten, heute sind es 250.000. Die Hochtechnologie ist zum Motor der israelischen Wirtschaft geworden, Israel zählt in diesem Bereich zu den Spitzenländern der Welt.

Israel, so klein wie das Bundesland Hessen, mit sieben Millionen Einwohnern, das immer im Kriegszustand gelebt hat, musste sich stets verteidigen. Israel musste Wellen von Zuwanderern oder Flüchtlingen empfangen. Dennoch hat sich das Land hervorragend entwickelt.

Auf eine Sache dürfen wir besonders stolz sein: die Aufrechterhaltung und Entwicklung unserer Demokratie. Wir haben eine Bevölkerung, die keineswegs aus demokratischen Ländern, aus demokratischen Traditionen kommt: Nazi-Deutschland, Osteuropa, das zaristische Russland, die Islam-Länder.

Und dennoch: Weil der harte Kern der zionistischen Bewegung, so wie es der Gründer Theodor Herzl wollte, immer demokratisch war, auf Pluralismus und Meinungsfreiheit basierte, mussten sich alle Zuwanderer daran anpassen. Trotz des Kriegszustands, der normalerweise verheerend ist für die Demokratie, konnte sich Israel demokratisch entwickeln. Wir sind ein ganz weltoffenes Land, eine weltoffene Gesellschaft, liberal und vollkommen demokratisch.

Das Hauptproblem bleibt die Vergangenheit

Es gab aber auch sehr viele Probleme, sehr viel Unrecht, das wir bis heute nicht überwunden haben. In der israelischen Gesellschaft haben sich große Unterschiede im Lebensstandard entwickelt. Herrschte in den ersten Jahren mehr oder weniger soziale Gerechtigkeit, gibt es heute exorbitante Gehälter in der Privatindustrie. Der Abgrund zwischen Reichen und Armen ist erheblich gewachsen, auch wenn es den Armen besser geht als vor 60 Jahren.

Auch gibt es mehr Verbrechen denn je. Eine Mafia, die in den ersten Jahren des Staates vollkommen unbekannt war. Es gibt Korruption, auch unter den Spitzenpolitikern. Es gibt die schmutzige Politik, Schmutzkampagnen zwischen den Parteien, die Staat und Regierung destabilisieren.

Hauptproblem Israels aber ist und bleibt seine Vergangenheit. Theodor Herzl - Journalist, Schriftsteller und integrierter Wiener Jude, der an die Integration der Juden glaubte - sagte, dass die Emanzipation ein Fehlschlag war, dass sie eigentlich gescheitert sei. Juristisch hätten die Juden Gleichberechtigung bekommen, gesellschaftlich wurden sie immer mehr verstoßen.

Besonders in Deutschland hat sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein neuer Antisemitismus entwickelt. Kein religiöser Antisemitismus, wie Hunderte von Jahren lang, gegen den es ein Mittel gab. Man konnte sich ja taufen lassen, und damit war das Problem gelöst. Diesmal war es rassistischer Antisemitismus. Man wollte die Juden ausgrenzen, nicht, weil sie andere Ideen hatten, sondern weil sie anders geboren sind - das konnte man nicht korrigieren.

Herzls Schlussfolgerung war: Damit die Juden in Würde leben können, müssen sie so leben wie andere Völker. Sie müssen einen Staat haben, internationale Souveränität, die üblichen Symbole. Das haben wir hundertprozentig erzielt, das ist der größte Erfolg.

Jemand, der in Israel geboren ist, so wie ich, weiß gar nicht, was es bedeutet, einer Minderheit anzugehören, er kennt die Ängste nicht, die damit einhergehen. Er weiß nicht, was Antisemitismus bedeutet, er lernt es erst, wenn er darüber liest. Er bekommt es nie zu spüren.

Israel ist noch nicht am Ziel

Doch auch wenn wir in Würde leben, sind unsere Errungenschaften nicht unbedingt solide. Sie sind nicht garantiert, solange wir im Kriegszustand leben, in einer Gegend, die nicht in Würde sondern im Elend lebt. Herzl, der sich nie vorstellen konnte, dass "sein" zukünftiger Staat im Kriegszustand leben würde, hätte nicht begreifen können, dass Israel weiterhin im Kriegszustand lebt.

Insofern haben wir das Hauptziel noch zu erreichen: den Frieden, das Ende der Besatzung palästinensischer Gebiete. Das Ende der Siedlungspolitik, eine Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn.

Auch unsere Nachbarn müssen sich mit einem Staat Israel abfinden. Ich glaube, dass die meisten das heute schon tun. Auch die meisten Palästinenser. Trotz eines Ahmadinedschad, der Hass schürt und den Staat Israel zerstören will. Wir müssen uns anstrengen, den Wettbewerb gegen die Fundamentalisten und Extremisten zu gewinnen. Die Palästinenser, Israel und unsere Nachbarstaaten - wir alle müssen uns anstrengen.

Erst dann werden wir sagen können, dass wir wirklich unser Ziel erreicht haben.

Die Streitpunkte zwischen Israelis und Palästinensern
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Grenzen
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Palästinensische Politiker fordern, dass Israel sich aus den seit 1967 besetzten palästinensischen Gebieten zurückzieht. Das Westjordanland und Gaza sollen Staatsgebiet des unabhängigen Staates Palästina sein - mit der Hauptstadt Jerusalem.

Israel wäre wohl bereit, sich aus mehr als 90 Prozent des Westjordanlands zurückzuziehen und einen Kompromiss einzugehen: Israel behält die großen Siedlungsblöcke und entschädigt die Palästinenser dafür mit Land in der Wüste Negev, das an Gaza grenzt.
Rückkehrrecht der Flüchtlinge
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Israel soll das Recht auf Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge anerkennen, so wie es die Resolution 194 der Vollversammlung der Vereinten Nationen beschreibt. Wie das Recht praktisch umgesetzt wird, soll in einem bilateralen Abkommen geregelt werden.

Israel will das Recht auf Rückkehr nur für die Gebiete eines zukünftigen Staates Palästina in die Praxis umsetzen. Es soll keine Rückkehr in israelisches Territorium geben.
Verbindung zwischen Gaza und dem Westjordanland
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Die Palästinenser fordern einen Landweg zwischen den räumlich getrennten Territorien des Gaza-Streifens und des Westjordanlands, der vom Staat Palästina verwaltet und gesichert wird.

Israel will das Westjordanland und Gaza durch hohe Brücken oder Tunnel miteinander verbinden. Israel verwaltet und sichert den Verbindungsweg.
Jerusalem
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Die Palästinenser wollen Ost-Jerusalem als Hauptstadt des zu gründenden palästinensischen Staates. Der gesamte Tempelberg würde dann vom Staat Palästina kontrolliert, nur die Klagemauer stünde weiterhin unter israelischer Hoheit.

Israel will die Mehrheit der palästinensischen Viertel Jerusalems vom Staat Palästina verwalten lassen, die jüdischen Enklaven in Ost-Jerusalem stehen unter israelischer Verwaltung. Beide Staaten kontrollieren den Tempelberg gemeinsam, möglicherweise mit internationaler Beteiligung.

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petsche 10.05.2008
1. Es muss endlich Frieden geben
Jahrzehnte lang war Arafat der Fuehrer des palaestinensischen Vertreibungswillens der Juden Meistbesucher des weissen Hauses. Der mit seinen saudischen Geschaeftspartnern kunkelnde Herr Bush will den Juden mit der Gruendung eines Palistaates deren Feinde ins Haus holen. Unter solchen Umstaenden denken die Moslemaraber nicht im Traum daran ihre Judenaustreibungsgelueste aufzugeben. Wie kann so Israel jemals Frieden finden ??Derzeit sind die Kassamraketen gegen die sich die Israelis im US Interesse nur bedingt wehren duerfen der Ausdruck des Friedenswillens der Moslemwelt nachdem Israel den Gazastreifen geraeumt hat.
PaulR 10.05.2008
2. Die grösste Erfolgsgeschichte des letzten Jahrhunderts
Wie Primor schreibt und jeder, der sich mit der Materie befasst, weiss, sind die wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften Israels überwältigend. Es ist darin der gesamten arabischen Welt weit überlegen, einer Welt die mit ihrer Wirtschaft nur einen Bruchteil des israelischen Erfolgs erreicht - trotz ihrer unendlichen Uebermacht an Menschen. Doch wenn mittelalterliche Religion und damit verbunden Massenmord, Rassismus und Jihadismus die Prioritäten sind, ist Frieden nicht möglich. Was von Israel in seinen 60 Jahren aufgebaut worden ist, wäre vielleicht ohne Hitler in Deutschland, Frankreich, USA und andern westlichen Ländern entstanden - heute ist es ein Produkt Israels, das heute zur dieser modernen Welt gehört. Der Erfolg Israels als Staat und altneue Heimstatt des jüdischen Volkes wird aber erst dann gesichert sein, wenn es von der hasserfüllten, rückständigen, gewalttätigen arabischen und islamischen Welt akzeptiert wird. Das wird leider noch lange dauern und behindert nicht nur Israel, sondern noch weit mehr seine Feinde, die nicht begreifen wollen, wie Synergien zwischen Israel und seinen Nachbarn allen zu Fortschrift, Frieden und Wohlstand helfen könnten. Religion steht dem im Weg.
ThorstenNYC 16.06.2010
3. Konflikt zw. Theokraten und Rechtsstaatlern jeweils beider Seiten
Zitat von PaulRWie Primor schreibt und jeder, der sich mit der Materie befasst, weiss, sind die wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften Israels überwältigend. Es ist darin der gesamten arabischen Welt weit überlegen, einer Welt die mit ihrer Wirtschaft nur einen Bruchteil des israelischen Erfolgs erreicht - trotz ihrer unendlichen Uebermacht an Menschen. Doch wenn mittelalterliche Religion und damit verbunden Massenmord, Rassismus und Jihadismus die Prioritäten sind, ist Frieden nicht möglich. Was von Israel in seinen 60 Jahren aufgebaut worden ist, wäre vielleicht ohne Hitler in Deutschland, Frankreich, USA und andern westlichen Ländern entstanden - heute ist es ein Produkt Israels, das heute zur dieser modernen Welt gehört. Der Erfolg Israels als Staat und altneue Heimstatt des jüdischen Volkes wird aber erst dann gesichert sein, wenn es von der hasserfüllten, rückständigen, gewalttätigen arabischen und islamischen Welt akzeptiert wird. Das wird leider noch lange dauern und behindert nicht nur Israel, sondern noch weit mehr seine Feinde, die nicht begreifen wollen, wie Synergien zwischen Israel und seinen Nachbarn allen zu Fortschrift, Frieden und Wohlstand helfen könnten. Religion steht dem im Weg.
Aber für den hasserfüllten, rückständigen und gewalttätigen Mikrokosmos der religiös-extremistischen Siedler gilt das genau so. Hamas und (der harte religiöse Kern der) Siedler sind zwei Seiten derselben Medaille. Der Konflikt besteht nicht zwischen Israel und den Palästinensern sondern zwischen den fanatischen Verfechtern von Gottesstaaten (Hamas und Siedler) auf der einen Seite und den Israelis und Palästinensern, die das Primat des Rechtsstaats über die Religion akzeptieren, auf der anderen Seite. Niemand beschreibt das besser als Avraham Burg, Ex-Sprecher der Knesset und religiöser(!) Jude: http://www.tagesschau.de/ausland/videoblogschneider102.html
dilinger 16.06.2010
4. t
Zitat von ThorstenNYCAber für den hasserfüllten, rückständigen und gewalttätigen Mikrokosmos der religiös-extremistischen Siedler gilt das genau so. Hamas und (der harte religiöse Kern der) Siedler sind zwei Seiten derselben Medaille. Der Konflikt besteht nicht zwischen Israel und den Palästinensern sondern zwischen den fanatischen Verfechtern von Gottesstaaten (Hamas und Siedler) auf der einen Seite und den Israelis und Palästinensern, die das Primat des Rechtsstaats über die Religion akzeptieren, auf der anderen Seite. Niemand beschreibt das besser als Avraham Burg, Ex-Sprecher der Knesset und religiöser(!) Jude: http://www.tagesschau.de/ausland/videoblogschneider102.html
Für Hamas sind alle Israelis Siedler. Die Charta macht da keine feine Unterschiede, alle müssen verschwinden oder sterben.
ThorstenNYC 17.06.2010
5. Hamas-Denke = Siedler-Denke
Zitat von dilingerFür Hamas sind alle Israelis Siedler. Die Charta macht da keine feine Unterschiede, alle müssen verschwinden oder sterben.
Und für die fundamentalistisch religiös motivierten Siedler hat kein Palästinenser Anspruch auch nur auf einen Quadratzentimeter des »gesamten Heiligen Lands«. Nach der Lesart hat kein Palästinenser irgend etwas westlich des Jordans zu suchen. Noch einmal: wo ist da genau der Unterschied?
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