Israels Koalition Barak wird Verteidigungsminister

Israel wird künftig von einer Regierung der nationalen Einheit regiert. Im neuen Kabinett von Ariel Scharon werden gleich zwei Ex-Premiers sitzen: Verteidigungsminister wird Ehud Barak, Schimon Peres übernimmt das Außenministerium.


Ehud Barak
AP

Ehud Barak

Jerusalem - Das Büro des abgewählten Premiers Barak teilte am Donnerstagabend nach einem Treffen von Barak und Scharon mit, diese hätten sich grundsätzlich auf die Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit verständigt. Vor einer endgültigen Einigung müssten aber noch die Richtlinien der künftigen Politik und Koalitionsfragen geklärt werden. Likud-Chef Scharon hatte sich nach seinem Wahlsieg über den Sozialdemokraten Barak für die Bildung einer starken Regierung ausgesprochen, um der anhaltenden Gewalt in den Palästinensergebieten zu begegnen.

Barak hoffe, die endgültige Koalitionsvereinbarung bis Montag seiner Arbeitspartei zur Abstimmung vorlegen zu können, teilte dessen Büro mit. Barak hatte die Wahl gegen Scharon in der vergangenen Woche klar verloren und zunächst seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Nach Medienberichten hat er nun Scharons Angebot angenommen, in der neuen Regierung Verteidigungsminister zu werden. Offiziell bestätigt wurde dies zunächst nicht. Die Arbeitspartei werde in einer so genannten Regierung der nationalen Einheit außerdem das Amt des Außenministers erhalten. Dieses Amt soll nach israelischen Presseberichten der bisherige Minister für regionale Zusammenarbeit und Friedensnobelpreisträger Schimon Peres übernehmen.

Schimon Peres
Dominik Baur

Schimon Peres

Vor dem Treffen hatte Scharon gesagt, er habe aus seiner Ansicht nie einen Hehl gemacht, dass eine Regierung der Nationalen Einheit das Beste in der gegenwärtigen Situation für Israel sei. Er gehe in die Verhandlung mit dem Ziel, eine solche Große Koalition zu erreichen. Der Likud-Politiker Scharon gilt als Vertreter einer kompromisslosen Linie gegenüber den Palästinensern.

Nach den Worten eines Vertrauten Scharons ist die künftige Regierung bereit, nach einem Ende der Gewalt auf Forderungen der Palästinenser einzugehen. Der frühere israelische Außenminister Mosche Arens sagte am Donnerstag in Washington, Israel werde sich in den angestrebten Zwischenabkommen einigen Zielen der Palästinenser widmen. Dabei werde es sowohl um Wirtschafts- als auch um Gebietsfragen gehen. Arens und weitere Vertraute Scharons waren zuvor in dessen Auftrag mit Vertretern der US-Regierung zusammengekommen.

Israelische Soldaten und Palästinenser lieferten sich unterdessen Augenzeugen zufolge am späten Donnerstag weiter Feuergefechte bei der jüdischen Siedlung Netzarim im Gaza-Streifen. Die Palästinenser hatten Ende September einen Aufstand gegen Israel begonnen, in dem bislang fast 400 Menschen getötet wurden.



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