Atatürk Airport Attentäter kamen aus Russland, Kirgisien und Usbekistan

Drei Männer sprengten sich am Atatürk Flughafen in Istanbul in die Luft - die Zahl der Toten erhöhte sich inzwischen auf 43. Die Attentäter sind offenbar identifiziert.

Bild von der Überwachungskamera am Flughafen
REUTERS/ HABERTURK

Bild von der Überwachungskamera am Flughafen


Die drei Selbstmordattentäter vom Atatürk Flughafen stammen nach Angaben türkischer Ermittler aus dem Ausland. Bei den Männern habe es sich um einen Usbeken, einen Kirgisen und einen russischen Staatsbürger gehandelt, berichteten mehrere Nachrichtenagenturen übereinstimmend unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht. Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, der russische Staatsbürger stamme aus der Region Dagestan. "Wir haben keine Informationen über die mögliche Beteiligung eines russischen Staatsbürgers", sagte ein Kreml-Sprecher der russischen Agentur Interfax zufolge.

Usbekistan, Kirgisien und Dagestan sind überwiegend muslimisch geprägt und gehörten einst zur Sowjetunion. Zahlreiche Extremisten aus dem Kaukasus und aus Zentralasien haben sich der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) angeschlossen und kämpfen in Syrien und im Irak.

Bislang hat sich keine Gruppe zu dem Anschlag bekannt. Die türkischen Behörden machen den IS für den Anschlag verantwortlich.

Die drei Täter hatten am Dienstagabend am Flughafen in Istanbul das Feuer auf Reisende eröffnet und sich wenig später in die Luft gesprengt. Die Zahl der Toten erhöhte sich am Donnerstag auf 43, darunter auch 19 Ausländer. Fast 250 Menschen wurden verletzt, Dutzende werden noch auf der Intensivstation behandelt. Es war bereits der vierte schwere Anschlag in Istanbul seit Jahresbeginn.

Trotz einer Nachrichtensperre berichten regierungskritische türkische Medien ausführlich über die Hintergründe der Attacke. Laut der Tageszeitung "Cumhuriyet" soll der IS Anschläge auf vier Flughäfen in der Türkei geplant haben. Zudem seien Sicherheitskreise schon vor zwanzig Tagen darüber informiert worden, dass ein Anschlag auf den Flughafen Atatürk beabsichtigt sei. Am Dienstagabend fielen die Attentäter demnach dem Sicherheitspersonal nur wenige Minuten vor ihrer Tat auf.

WhatsApp an Polizisten: "Verfolgt sie"

Türkische Medien veröffentlichten am Donnerstag einen WhatsApp-Dialog zwischen Polizisten, die im Flughafen arbeiteten. So schreibt ein Beamter, dass Verdächtige mit Jacken umherlaufen würden. "Bruder, sieht aus wie ein Dieb, sollen wir diese verfolgen" - "Verfolgt sie", wird er aufgefordert. Der Austausch fand nur wenige Minuten vor der ersten Detonation statt.

Die Ermittler suchten am Donnerstag weiter nach den Hintermännern der Tat: Bei Razzien in Istanbul nahm die Polizei 13 Verdächtige fest. Die Oppositionsparteien im Parlament sollen einen Untersuchungsausschuss gefordert haben. Der Antrag sei aber mit den Stimmen der Regierungspartei AKP verhindert worden.

Im Video: Anschlag auf Atatürk-Flughafen in Istanbul

brk/dpa/Reuters, Mitarbeit: Cegdem Akyol



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