Opposition in der Türkei "Marsch der Gerechtigkeit" erreicht Istanbul

23 Tage und 420 Kilometer: Tausende haben sich dem Protestzug "Marsch der Gerechtigkeit" von Ankara nach Istanbul angeschlossen. Nun haben sie ihr Ziel erreicht.

Kemal Kilicdaroglu in Istanbul
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Kemal Kilicdaroglu in Istanbul


Begonnen hat alles mit Onkel Kemal: Der Vorsitzende der oppositionellen Republikanischen Volkspartei (CHP), Kemal Kilicdaroglu, will von Ankara nach Istanbul laufen - für die Gerechtigkeit und als Protest gegen die Politik von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Sowohl die Regierung als auch die Opposition belächeln die Idee nur.

Das war vor drei Wochen. Inzwischen haben sich Tausende Menschen dem Marsch angeschlossen. Und: Die Demonstranten haben ihr Ziel Istanbul nach 23 Tagen und 420 Kilometern erreicht. Die Menschenmenge erstreckte sich über viele Kilometer am Ufer des Marmarameers. Der Protestzug soll am Sonntagnachmittag mit einer Großkundgebung im Istanbuler Stadtteil Maltepe zu Ende gehen. Der "Marsch der Gerechtigkeit" gilt als wichtigste Geste des Widerstands in der Türkei seit den Gezi-Protesten 2013.

"Heute haben wir Istanbul betreten und ich bin sehr glücklich", sagte Kilicdaroglu. Sie hätten diesen langen Weg zurückgelegt, ohne dass ein Mensch verletzt wurde. Der Marsch werde am Sonntag enden, doch nicht die Suche nach Gerechtigkeit.

Der Protest richtete sich auch gegen die Verhaftung des CHP-Politikers Enis Berberoglu. Er war wegen eines Artikels über geheime Waffenlieferungen an islamistische Rebellen in Syrien zu 25 Jahren Haft verurteilt worden.

Der Protestzug in Istanbul ist kilometerlang
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Der Protestzug in Istanbul ist kilometerlang

Kilicdaroglu will ihn am Sonntag in seinem Istanbuler Gefängnis in Maltepe besuchen. In einer Erklärung warf Kilicdaroglu der Regierung vor, das Recht zu verletzen und der Justiz jede Unabhängigkeit genommen zu haben, während Willkür das Land regiere.

Erdogan beschuldigte Kilicdaroglu wiederholt, mit dem Marsch Terroristen zu unterstützen, schritt jedoch nicht ein. Seit seinem Start schlossen sich immer mehr Menschen an. Rund 45.000 Menschen folgten Kilicdaroglu laut der CHP am Freitag. Als der Marsch ein Industriegebiet durchquerte, applaudierten viele Arbeiter von den Fenstern und Werkstoren den Demonstranten.

"Dieser Marsch hat drei Ziele", sagte Issa Agacik, der an dem Marsch teilnahm. "Erstens festigt Kilicdaroglu damit seinen Status als Oppositionsführer. Zweitens kehrt die CHP zum Volk zurück, wie es seine historische Mission war. Und schließlich einigt er das türkische Volk und stärkt seinen Sinn für Gerechtigkeit."

koe/AFP

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